20. Fachtagung Schuldnerberatung

Die 20. rheinland-pfälzische Fachtagung der Schuldner- und Insolvenzberatung fand am 24.Oktober 2017 in der Akademie der Wissenschaften und der Literatur in Mainz statt. Überschuldungsprobleme haben längst weite Teile der Bevölkerung erreicht und sind wesentlicher Faktor für Verarmung und soziale Ausgrenzung von Menschen und deren Angehörigen. Die diesjährige Fachtagung der Schuldner- und Insolvenzberatung stand unter dem Thema „Schuldner- und Insolvenzberatung und Existenzsicherung im Wandel der Beratungspraxis“.

Es ist nicht üblich und durchaus etwas Besonderes, dass es Rheinland-Pfalz seit nunmehr 20 Jahren schafft die fünf Haupakteure in der Schuldner- und Insolvenzberatung zusammen zu bringen. Die Veranstalter sind das Ministerium für Soziales, Arbeit, Gesundheit und Demografie, das Schuldnerfachberatungszentrum an der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz, die LIGA – Spitzenverbände der freien Wohlfahrtspflege im Lande Rheinland-Pfalz, die Landesarbeitsgemeinschaft Schuldnerberatung Rheinland-Pfalz und das Landesamt für Soziales, Jugend und Versorgung. Obwohl alle Akteure für sich durchaus verschiedene Prioritäten setzen und verschiedene Schwerpunkte haben, arbeiten sie seit nunmehr zwei Jahrzehnten konstruktiv und zielorientiert zusammen. Die jährliche gemeinsame Fachtagung ist nur ein Ergebnis dieser guten Zusammenarbeit. Das ist schon etwas Besonderes, da waren sich alle Akteure einig.

Prof. Uwe Schwarze sowie Kathrin Mittelstät und Matthias Becker von der HAWK (Hochschule für Angewandte Wissenschaft und Kunst) in Hildesheim führten den Teilnehmerinnen und Teilnehmern die Wichtigkeit und auch die Wirksamkeit von sozialer Schuldnerberatung vor Augen. Der von vielen Experten in Verwaltung und Industrie nicht angezweifelte Nutzen und die Nachhaltigkeit von Sozialer Schuldnerberatung soll in dem Forschungsprojekt wissenschaftlich untersucht werden. Das Land Niedersachsen hat Prof. Schwarze damit beauftragt und finanziert dieses Forschungsprojekt. Herr Schwarze stellte einzelne Pfeiler seiner Untersuchung vor. Im weiteren Verlauf der Tagung gaben Antje Kahlheber und Fabian Fehrenbach von der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz sowie Haluk Kaya von der Hofheimer Wohnungsbau GmbH den Teilnehmerinnen und Teilnehmern einen sehr interessanten Einblick in ihre tägliche Arbeit und damit in die existenziellen Nöte der Verbraucher bei den zentralen Themen Energie und Wohnen. Prof. Dr. Carsten Homann von der Hochschule Rhein Main konnte mit seinem Vortrag den Teilnehmerinnen und Teilnehmern die Feinheiten und auch Problemstellungen des P-Kontos, die dadurch entstehenden Möglichkeiten für die Verbraucher aber auch die einhergehende Belastung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eindrucksvoll näherbringen. Prof. Dr. Homann war zuletzt Referatsleiter in der Abteilung 4 im LSJV und davor wissenschaftlicher Mitarbeiter im Schuldnerfachberatungszentrum an der UNI Mainz. Sehr selten kommen bei einer Fachveranstaltung Betroffene zu Wort.
Herr Eisengardt konnte den rund 120 Anwesenden einen Einblick über den Anspruch an eine Beratung aus der Sicht eines Betroffenen geben.

Mit dem in diesem Jahr gestarteten landesweiten „Beteiligungsprozess zur Bekämpfung von Armut und sozialer Ausgrenzung“ konnte Ministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler aus erster Hand von einem wegweisenden Projekt der Landesregierung berichten: „Armut ist ein gesellschaftliches Querschnittsthema, welches in seiner Vielschichtigkeit in den Lebenswelten der Bürgerinnen und Bürger in unterschiedlichen Formen und Intensitäten zum Ausdruck kommt.“

Der Beteiligungsprozess baut auf dem auf, was Rheinland-Pfalz bereits seit Jahren gegen prekäre Beschäftigung und für von Armut betroffene Menschen tut – von der Gemeinwesenarbeit über die Schuldnerberatung bis hin zur sozialen Wohnraumförderung. Die Kernfragen, die in diesem landesweiten Beteiligungsprozess behandelt werden sollen, sind: Wie kann Armut vorgebeugt werden? Wie wirkungsvoll sind die Maßnahmen zur Bekämpfung von Armut? Was brauchen und wollen die betroffenen Menschen? Was kann Politik ändern?

Das Schlusswort sprach Präsident Detlef Placzek. Er dankte den Veranstaltern, den Referenten und allen Akteuren, die aktiv an der Gestaltung der 20. Jahresfachtagung der Schuldner- und Insolvenzberatung beteiligt waren. Er bedankte sich zudem bei den Damen und Herren im Publikum, in der Hoffnung, einen informativen und angenehmen Tag in Mainz verbracht zu haben.