5. Fachtag Kompetenznetzwerk Demokratie leben!

Am 27. April 2017 lud das Kompetenznetzwerk „Demokratie leben!“ in Rheinland-Pfalz zur Fachtagung nach Worms. Geladen waren Fachkräfte, die in Projekten des Bundesprogramms „Demokratie leben! Aktiv gegen Rechtsextremismus und Menschenfeindlichkeit“ aktiv sind. Fachlich betrachtet wurden Radikalisierungsprozesse sowohl im Bereich Rechtsextremismus wie im Bereich islamistischer Radikalisierung, Gemeinsamkeiten wie Unterschiede der Radikalisierung. Das Kultur- und Tagungszentrum ‚Das Wormser‘ bot hierfür mit hellen und großzügigen Räumen eine schöne Kulisse.

Jeannette Mischnick, Vizepräsidentin des Landesamtes für Soziales, Jugend und Versorgung (LSJV), begrüßte die Teilnehmenden der Landeskoordinierungsstelle. In ihrem Grußwort ging sie auch darauf ein, dass die Beratungsstelle „Salam“ gegen islamistische Radikalisierung ab Mitte Mai 2017 zum LSJV wechseln wird. Aufgrund der jahrelangen Erfahrung der Projekte gegen Rechtsextremismus im LSJV, Abteilung Landesjugendamt, überträgt das Ministerium für Familie, Frauen, Jugend, Integration und Verbraucherschutz (MFFJIV) diese Aufgabe dem Landesamt. Ein Grußwort übernahm Wolfgang Faller vom Ministerium für Familie, Frauen, Jugend, Integration und Verbraucherschutz. In seiner Rede betonte er, dass die Demokratie allein nicht vor Populismus schütze. Eine ständige Auseinandersetzung und Belebung der demokratischen Werte sei unabdingbar. Sebastian Kohlmann vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend sprach das zweite Grußwort.

Im Laufe des Tages gab es für die Teilnehmenden Gelegenheit, sich über die Projekte „DivAN“, „Salam“, „DGB Jugend“ und „Planspiele“ zu informieren und mit Akteurinnen und Akteuren aus den verschiedenen Themenbereichen ins Gespräch zu kommen.

Am Vormittag sprach Prof. Dr. Stephan Bundschuh von der Hochschule Koblenz zum Thema „Autoritarismus: Begriff und Erscheinungsformen im Wandel“. Anschließend referierte Karima Benbrahim über „Rassismuskritische und Diversitätsbewusste Bildungsarbeit. Handlungsstrategien gegen Radikalisierung in der Migrationsgesellschaft.“ Rassismus sei ein gesamtgesellschaftliches Phänomen und nicht „nur“ ein rechtsextremes Randproblem.

Im zweiten Teil der Veranstaltung trug Monika Huff-Müller, Psychoanalytikerin, ihre Sicht von „Fremdheitsakzeptanz als psychoanalytische Entwicklungsaufgabe“ vor. Dr. Götz Nordbruch rundete den Tag mit einem Vortrag zum Thema: „Junge Muslime zwischen Islam, Islamfeindlichkeit und Islamismus“ ab. Er führte aus, dass Neigungen, Hobbys und Interessen, die von Jugendlichen als Normalität begriffen werden, von der Gesamtgesellschaft oft skeptisch hinterfragt würden. Laut Dr. Götz Nordbruch könne aus Erklärungsnot und Diskriminierungserfahrungen Ablehnung und letztlich Radikalisierung entstehen. Er plädierte dafür, keinen Wir-gegen-die Diskurs zu unterstützen, sondern Jugendlichen Alternativen zu zeigen und Optionen zu bieten, zusätzliche Wege zu finden, damit sie nicht den Weg der Radikalisierung als einzigen Ausweg finden müssen.

Nach den Referaten entwickelte sich eine intensive und fruchtbare Diskussion im Plenum. Mit dem Ausblick auf die kommenden Fachtage Mitte 2017 wurde der interessante und mit vielseitigen Impulsen versehene Fachtag beendet.