Erste landesweite Kinderschutzkonferenz

Zur ersten landesweiten Kinderschutzkonferenz lud das Landesamt für Soziales, Jugend und Versorgung (LSJV) in Kooperation mit dem Ministerium für Familie, Frauen, Jugend, Integration und Verbraucherschutz (MFFJIV) am 21. Juni 2017 nach Mainz ein.

Mit einer 40 Jahre alten Liedstrophe von Bettina Wegner: „Sind so kleine Hände, winz´ge Finger dran. Darf man nicht drauf schlagen, die zerbrechen dann.“, begrüßte Präsident Detlef Placzek zur Auftaktveranstaltung. Er freute sich, dass neben den weit über 200 rheinland-pfälzischen Fachkräften auch Staatssekretärin Dr. Christiane Rohleder anwesend war und dankte ihr, dass sie diese Veranstaltung in Vertretung der Familienministerin Anne Spiegel mit eröffnet. In seinem Grußwort betonte er: „Kinder zu schützen ist unser aller Aufgabe. Prävention aber auch Intervention steht dabei stets im Focus der Überlegungen um ein gesundes und geschütztes Aufwachsen von Kindern zu ermöglichen“. In allen Lebensbereichen, sowohl im privaten aber auch im gesellschaftlichen Umfeld wünscht sich Herr Placzek eine stärkere Kultur des Hinschauens. Seit 2008 wurden gleich zwei seiner Abteilungen mit neuen Aufgaben zum Kindesschutz beauftragt. So wurde die Servicestelle Kindesschutz in der Abteilung Landesjugendamt und die Zentrale Stelle Landeskinderschutzgesetz in der Abteilung Gesundheit eingerichtet. Am Ende seines Grußwortes richtete Herr Placzek einen gemeinsamen Wunsch an die Politik, man möge endlich die Kinderrechte in der Verfassung verankern.

Diese von nun an jährlich stattfindende Kinderschutzkonferenz dient zur Vertiefung und Weiterentwicklung des Fachwissens im Kinderschutz. Das Landesamt trägt damit dazu bei, den interdisziplinären und landesweiten Austausch der engagierten Fachkräfte zu fördern.

Mit dem rheinland-pfälzischen Landeskinderschutzgesetz und dem Bundeskinderschutzgesetz betonen zwei Gesetze die Bedeutung der berufsgruppenübergreifenden Vernetzung von Fachkräften und ihren Diensten, um ein wirksames Unterstützungsangebot für Familie und ihre Kinder bereit zu halten.

In den kommunalen Netzwerken wird die interdisziplinäre Kooperation der Fachkräfte bedarfsangemessen vor Ort ausgestaltet und die Angebote der Jugend- und Gesundheitshilfe miteinander zu einem Gesamtkonzept verzahnt, um Familien rechtzeitig Hilfen und Unterstützung anzubieten und damit Kinder und Jugendliche wirksam schützen zu können. So werden beispielsweise Eltern seit 2008 mit dem verbindlichen Einladungswesen in Rheinland-Pfalz zu den Früherkennungsuntersuchungen eingeladen. Dazu werden jährlich rund 300.000 Schreiben versandt. Die Untersuchungsquote liegt mittlerweile bei nahezu 100 Prozent und das Verfahren ist bei den Eltern etabliert.

Prof Dr. Schrapper, Universität Koblenz, hatte mit seinem Fachvortrag und Einblick über 25 Jahre Kinderschutz die Entwicklung, Kontroversen und Perspektiven im Kinderschutz aufgezeigt.

In neun Fachforen, welche die Vielfalt der Themen im Kinderschutz aufgriffen, konnten sich die Teilnehmenden zu inhaltlichen Schwerpunkten im Kinderschutz informieren und fachlich austauschen.

Zum Abschluss der ganztägigen Kinderschutzkonferenz sprachen Dr. Mike Seckinger und Susanne Witte, Deutsches Jugendinstitut (DJI) München. Beide wagten einen Blick über den Tellerrand und stellten die Ergebnisse ihrer Vergleichsstudie über europäische Kinderschutzsysteme vor.