Jahrestagung für die Fachkräfte der Pflegekinderhilfe

Unter dem Titel „Die Lebensphase Pflegekind planen und gestalten“ kamen am 27. und 28. März 2017 91 Fachkräfte der Pflegekinderdienste öffentlicher und freier Träger aus Rheinland-Pfalz, Hessen und dem Saarland zur Jahrestagung Pflegekinderhilfe im Erbacher Hof in Mainz zusammen.

Unter dem Titel „Die Lebensphase Pflegekind planen und gestalten“ kamen am 27. und 28. März 2017 91 Fachkräfte der Pflegekinderdienste öffentlicher und freier Träger aus Rheinland-Pfalz, Hessen und dem Saarland zur Jahrestagung Pflegekinderhilfe im Erbacher Hof in Mainz zusammen. Sie waren der Einladung des Fachreferats 33 gefolgt, um sich insbesondere über die Perspektivplanung für Pflegekinder und deren Schutz und Begleitung auszutauschen, das eigene Wissen zu erweitern und viele Anregungen für den Praxisalltag mitzunehmen. Julia Koch vom Ministerium für Familie, Frauen, Jugend, Integration und Verbraucherschutz Rheinland-Pfalz begrüßte die Teilnehmenden und führte anhand von aktuellen Zahlen ins Thema ein. Sie wies auf die Bedeutung von Beteiligung und Mitsprachemöglichkeiten für Pflegekinder hin und betonte, dass eine dauerhafte Lebensperspektive für ein Pflegekind Sicherheit, Stabilität und Kontinuität gewährleisten kann.

Den Auftaktvortrag hielt Dr. Mériem Diouani-Streek, die über internationale Pflegekinderforschung insbesondere aus dem angelsächsischen und amerikanischen Raum referierte. Ins Zentrum ihres Vortrags stellte sie die sozialpädagogische Methode des Permanancy planning bzw. Concurrent planning. Fachkräfte der Pflegekinderhilfe sollen anhand bestimmter Parameter in die Lage versetzt werden, zu entscheiden, ob für das Kind eine Rückkehr zu seinen leiblichen Eltern in Frage kommt, oder eine neue auf Dauer angelegte Lebensform für es gefunden werden muss.
Am Nachmittag stellten Dr. Sandra Menk und Michaela Heinen vom Referat 34 das Modellprojekt der Qualitätswerkstatt Kinderschutz vor. Dieses Konzept wurde zur Entwicklung der Qualität in Kinderschutzfällen in Rheinland-Pfalz erarbeitet und bietet auch für kritische Fallkonstellationen in der Pflegekinderhilfe gute Möglichkeiten der Analyse und des Fallverständnisses. Am Ende des ersten Tages stellte Iris Egger-Otholt, Referatsleiterin des Referats 33, den aktuellen Referentenentwurf zur Reform des SGB VIII vor. Die vorgesehenen Neuerungen passten ausgezeichnet zum ersten Vortrag des Tages, da die Perspektivplanung für Pflegekinder zentraler Punkt der SGB VIII-Reform im Bereich der Pflegekinderhilfe darstellen.

Dipl.-Pädagogin Birgit Lattschar gestaltete den zweiten Tag. Sie widmete sich dem Empfinden und Erleben der Pflegekinder, die mit zwei Familien leben. Sie gab den Fachkräften ganz konkrete Anregungen, wie der Wechsel der Kinder von der Herkunftsfamilie in die Pflegefamilie gestaltet und begleitet werden kann, erläuterte, wie wichtig den Kindern ein transparentes und offenes Vorgehen dabei ist und gab Tipps, wie die oft nicht einfachen Kontakte zwischen den Kindern und ihren Herkunftsfamilien vorbereitet und durchgeführt werden können.
Dieser Schlussvortrag, der die Teilnehmenden ermunterte, Fragen zu ihren eigenen Fällen zu stellen, brachte die Fachkräfte noch einmal miteinander ins Gespräch.

Die Fachtagung bot eine gute Mischung aus Forschung und ihrer Bedeutung für die Praxis, Methoden, um aus den eigenen Fällen für die Zukunft zu lernen und um Qualität zu steigern, rechtlichen Informationen und vielen praxisnahen Anregungen, um Pflegekinder zu unterstützen. Das Motto „Wissen schafft Praxis galt insofern für die gesamte, sehr gelungene Veranstaltung.