Jugend ermöglichen!

Rund 70 Teilnehmerinnen und Teilnehmer, vor allem Planungsfachkräfte, Leitungsverantwortliche und Fachkräfte der Jugendarbeit, konnte die Leiterin der Abteilung Landesjugendamt des LSJV, Birgit Zeller, zur 18. Jahrestagung der Landesarbeitsgemeinschaft Jugendhilfeplanung am 1. Juni 2017 in Ludwigshafen begrüßen.

Sie stellte die Verbindung her zur Tagung des Jugendministeriums am 11. Mai 2017, der es programmatisch um die eigenständige Jugendpolitik in den Kommunen ging. Die Jahrestagung sei die methodische Ergänzung dazu. Sie freute sich, dass ihr Kollege Jürgen May, gleichsam symbolisch für die gerade auch in der Jugendpolitik notwendige enge Zusammenarbeit zwischen Landesjugendamt und Jugendämtern, die Tagung mit eröffnet. Jürgen May, der Jugendamtsleiter der Stadt Ludwigshafen, hob in seinem Grußwort die Bedeutung der Jugendhilfeplanung für die kommunalen Gestaltungsprozesse hervor. Gerade wenn das Geld knapp sei, brauche man die Planung als „Navi“ auch für die Gestaltung der Jugendpolitik in der Kommune.
Prof. Dr. Wolfgang Schröer von der Universität Hildesheim, Mitglied der Kommission für den 15. Kinder- und Jugendbericht des Bundes, stellte heraus, dass die Jugend nach einer Phase großer Aufmerksamkeit in den siebziger und achtziger Jahren des letzten Jahrhunderts allzu lange ein Schattendasein in der Politik geführt habe. „Jugend“ als Lebensphase und Generation habe sich zwischenzeitlich gravierend verändert. Entsprechend ruft der Bericht die Politik auf allen Ebenen dazu auf, ihre Vorstellungen vom „Jung sein“ zu aktualisieren und der Jugend als zukunftsgestaltender Generation eine zeitgemäße Basis nicht nur für die Qualifizierung, sondern auch für die erforderliche Verselbständigung und Selbstpositionierung zu bieten. Die Jugendphase hat sich nach den Erkenntnissen des Berichts bis weit in das zwanzigste Lebensjahr der jungen Menschen verlängert, sie sind noch in Ausbildung, weiterhin finanziell abhängig, aber volljährig. Dem muss durch die Eröffnung von Gestaltungsräumen und die Übertragung von Verantwortung entsprochen werden, in den für die jungen Menschen relevanten Institutionen von Schule und Ausbildung, aber auch im Gemeinwesen.

Jugendarbeit und Jugendsozialarbeit haben dabei als Unterstützer und Ermöglicher eine entscheidende Rolle. Die Berichtskommission fragt sich vor diesem Hintergrund, wie es zu deuten sei, dass für die jungen Fachkräfte gerade in der Jugendarbeit prekäre Beschäftigungsverhältnisse vorherrschen und eine Überalterung des Personals zu beobachten ist. Beachtlich sei das, weil Jugendarbeit einen wichtigen Raum darstelle dafür, politische Bildung praktisch zu leben und Regeln der Demokratie einzuüben. Nicht zuletzt im Interesse der Demokratie müsse man eine Eigenständige Jugendpolitik vor allem auch in den Kommunen als die Herausforderung der Zeit betrachten.
Wie eine Bestätigung dazu las sich der nachfolgende Blick auf die jugendpolitische Programmatik des Landes. Die drei Leitziele und neun Handlungsfelder, die Daniel Hoffmann für das Jugendministerium vorstellte, korrespondieren perfekt mit den Gedanken, Jugend zu ermöglichen durch Befähigung zur Teilhabe und durch die Eröffnung autonomer Gestaltungsräume. Die neuen Förderprogramme des Landes sollen dazu beitragen, vor allem auch die Förderung der eigenständigen Jugendpolitik (JES) in den Kommunen einschließlich der Neuauflage des Praxisentwicklungsprojektes PEP.
Sibylle Messinger stellte die Jugendhilfeplanungsoffensive der Stadt Ludwigshafen zur Jugendarbeit vor, Tobias Schasse ein umfassend beteiligungsorientiertes Planungsprojekt mit der Jugend in Worms und Margret Sundermann einen auf Jugendarbeit ausgerichteten Planungseinstieg des Kreises Mayen-Koblenz. Die Präsentationen von Graiswin Kattoor aus Trier zum Projekt „Jugendgerechte Stadt“ und von Dirk Marmann aus der VG Schweich zur Praxisentwicklung durch PEP im Landkreis wurden staubedingt in deren Abwesenheit vorgestellt. Die Arbeitsgruppen unter der Leitung von Sybille Nonninger, Rudi Neu und Volker Steinberg betonten mit unterschiedlicher Akzentuierung die Rolle der Politikverantwortlichen auch für den Planungsprozess, die Haltung aller Beteiligten und die Schlüsselrolle qualifizierter, für alle offenen Beteiligungsstrukturen und -verfahren.
„Demokratie braucht eine starke Jugend“ resümierte Klaus Peter Lohest, Abteilungsleiter im Jugendministerium, den Ertrag der Tagung. Die Zukunftsfähigkeit der Kommunen hänge maßgeblich von ihrem Verhältnis zur Jugend ab. Dem Landesjugendhilfeausschuss empfahl er eine Auseinandersetzung mit den folgenden Anliegen des 15. Kinder- und Jugendberichts des Bundes: Jugend ermöglichen für junge Menschen mit Behinderungen, Jugend im Übergang von Schule zu Ausbildung und Beruf, Jugend zugewanderter junger Menschen und Jugend ermöglichen durch gelebte Demokratie. Mit einem Dank an alle Mitwirkenden einschließlich der Vorbereitungsgruppe und an das Organisationsteam des Landesjugendamtes schloss er die Jahrestagung.