Überschuldung älterer Menschen - Herausforderung für die Schuldnerberatung

Überschuldung betrifft alle Altersgruppen und immer häufiger auch ältere Menschen. Anlass genug, dieses Thema ins Zentrum der 18. Fachtagung der Schuldner- und Insolvenzberatung Rheinland-Pfalz am 30. November 2015 zu stellen, an der dieses Jahr nicht nur Fachkräfte der Schuldner- und Insolvenzberatung, sondern auch Betreuerinnen und Betreuer teilgenommen haben.

Olaf Noll, stellvertretender Leiter der Abteilung Soziales und Demografie im Ministerium für Soziales, Arbeit, Gesundheit und Demografie, eröffnete die Fachtagung. Altersarmut sei zwar noch kein Massenphänomen, doch befinde sich derzeit etwa jeder 7. mit dem Eintritt in die Rentenphase in einer Überschuldungssituation. Damit gehen Teilhabeprobleme und Ausgrenzung einher. Und mit durchschnittlichen Schulden von 42.000 Euro ist der Betrag bei älteren Menschen etwa fünf Mal so hoch wie bei Jüngeren.

Wie wirken sich Immobilien auf die finanzielle Situation Älterer aus? Welche Erfahrungen machen Betreuerinnen und Betreuer mit überschuldeten älteren Menschen? Kommt dieses Thema auch bei der gesetzliche Rentenversicherung an? Und wie gehen die Fachkräfte einer Schuldnerberatungsstelle in Köln mit der Problematik um?

Für eine Überschuldung im Rentenalter ist nicht nur die mit dem Übergang in die Rente einhergehende Einkommensminderung verantwortlich, sondern auch Scheidung und Trennung, Kosten durch Erkrankung und Umbauten, Ratenkäufe, Haustürgeschäfte, unwirtschaftliche Haushaltsplanung und –führung sowie die Scham, staatliche Hilfe in Anspruch zu nehmen. Immobilien stellen in dieser Lebensphase nicht nur eine Chance, sondern auch ein Risiko dar. Altersgerechte Umbauten kosten Geld, und wenn sich das Haus dann auch noch im ländlichen Raum befindet kann es passieren, dass es für die Immobilie nicht einmal Käufer gibt.
Die bisher üblichen drei Säulen des Einkommens im Alter, nämlich gesetzliche und private Rente sowie das Vermögen, reichen heute oftmals nicht mehr aus. Im ersten Quartal 2015 gingen 904.000 Menschen über 65 Jahre und 137.000 über 74 Jahre einer geringfügigen Beschäftigung nach. Häufig wird gearbeitet, um der Armut zu entfliehen. Es gibt aber auch Menschen, die dies freiwillig tun.

Sehr empfehlenswert ist der u.a. von Maike Cohrs, Diakonisches Werk Köln und Region, erarbeitete Ratgeber „Schuldenfrei im Alter“, der – sofern wegen der starken Nachfrage nicht vergriffen – kostenfrei bei BAGSO e.V., (wittig(at)bagso.de) Bonngasse 10, 53111 Bonn, Fax (0228) 24999320 bestellt werden kann.

Von Überschuldung im Alter sind besonders Frauen, Alleinstehende, Geringqualifizierte und Menschen mit Migrationshintergrund betroffen. Altersarmut ist zudem die schwerwiegendste Form der Armut, da geringe Chancen bestehen, die ökonomische Situation zu verbessern. Ältere überschuldete Menschen weisen oftmals ein hohes Moral- und Pflichtgefühl auf, haben Angst sich zu wehren („Das mit dem Mahnbescheid wird schon richtig sein“) und oftmals kaum Kenntnisse über ihre Rechte und Hilfsangebote.

Doch gibt es überhaupt eine Möglichkeit, sich vor Armut und Überschuldung im Alter zu schützen? Eine gewisse Vorbereitung auf den Eintritt in die Rente ist sicherlich immer sinnvoll. Menschen ab etwa 55 Jahre sollten im Rahmen einer Finanz- und Budgetplanung künftige Einnahmen und Ausgaben auflisten und sich überlegen, was sich im Alter ändern wird. Auch wenn sich trotz bester Planung eine Überschuldung im Alter nicht vermeiden lassen wird, sollte das Bewusstsein für die Veränderungen im Alter durch verstärkte Öffentlichkeitsarbeit geschärft werden.

In ihrem Schlusswort lenkte Birgit Zeller, Leiterin des Landesjugendamtes, den Blick noch einmal auf die Selbstverantwortung eines Jeden. Diese zu stärken muss ein Ziel aller gesellschaftlichen Kräfte sein. Da Armut und Überschuldung keine altersspezifischen Phänomene sind, ist die Beratungspraxis auch künftig gefordert, die Armutslagen für alle Altersgruppen in den Fokus zu nehmen.