Warum ist der Schutz vor diesen Krankheiten sinnvoll und empfehlenswert?

Diese Fragen möchten wir Ihnen für folgende Krankheiten beantworten:

Diphtherie

Die Diphtherie ist eine Infektionskrankheit, die weltweit vorkommt. In einigen Teilen der Welt ist der Erreger noch stark verbreitet, zum Beispiel in der Russischen Föderation, in Indonesien, auf dem indischen Subkontinent und den Philippinen.

Die Diphtherie entsteht durch ein Bakterium, das den Namen Corynebacterium diphtheriae trägt. Das Bakterium kann seine äußere Form verändern und dann wie eine Kugel, ein Stäbchen, eine Keule oder wie ein „V“ aussehen. Es bildet meistens einen Giftstoff, das Diphtherietoxin, welches in fast allen Fällen die bekannten Krankheitssymptome auslöst. Man unterscheidet vier Biotypen des Bakteriums, die Subtypen gravis, mitis, belfanti und intermedius. Die Unterteilung ist an dieser Stelle jedoch ohne Bedeutung.

Die Übertragung des Diphtheriebakteriums erfolgt durch Tröpfcheninfektion, bei der Sonderform der Hautdiphtherie, durch Schmierinfektion.

Die Inkubationszeit, d.h. die Zeitspanne zwischen der Ansteckung und dem Auftreten erster Symptome, liegt zwischen 2 und 8 Tagen. Typische Symptome sind langsam zunehmende Halsschmerzen, hohes Fieber und Schluckbeschwerden. Im weiteren Verlauf kommen Heiserkeit, ggf. Husten, Schwierigkeiten beim Atmen (Stridor) sowie Lähmungen am Gaumensegel hinzu. Auf den Mandeln und der Rachenschleimhaut entwickeln sich typische grau-weiße oder bräunliche Beläge, die sich bis hin zum Kehlkopf ausbreiten können. Es strömt ein süßlicher Geruch aus dem Mund. Durch Einengung der oberen Atemwege kann es unbehandelt zum Ersticken kommen. Wenn nur die Nasenschleimhaut betroffen ist, tritt ein dünnflüssiges und blutiges Sekret aus der Nase aus. Im weiteren Krankheitsverlauf können unter anderem ein beschleunigter Herzschlag, ein Kreislaufkollaps, eine Herzmuskelentzündung (Myokarditis), Hirnentzündung (Enzephalitis) Nierenversagen oder Nervenentzündungen (Polyneuritis) auftreten.

Die Behandlung erfolgt durch sofortige Gabe eines Antitoxins als Immunserum und die Gabe eines Antibiotikums. Gegebenenfalls ist eine intensivmedizinische Betreuung (Beatmung, Mitbehandlung des Herzens, Dialyse) erforderlich.

Die Diphtherie kann aus anderen Regionen der Welt z.B. durch Urlaubsreisende wieder nach Deutschland eingeschleppt werden. Bei nachlassender Durchimpfungsrate in der deutschen Bevölkerung könnten so hierzulande wieder Epidemien (örtlich und zeitlich gehäuftes Auftreten von Krankheitsfällen) auftreten. Die Diphtherie ist eine gefährliche Erkrankung, die die Erkrankten sehr leiden lässt und auch tödlich enden kann. Die Ausbreitung dieser Erkrankung in Deutschland kann verhindert werden, wenn die Durchimpfungsrate in der Bevölkerung hoch ist. Impflücken bestehen insbesondere in den Altersgruppen 5-6 sowie 9-17 Jahren und bei 2/3 der Erwachsenen, die ihre regelmäßigen Auffrischungsimpfungen versäumt haben. Die Überprüfung und ggf. Vervollständigung Ihres Impfschutzes gegen Diphtherie ist daher sinnvoll und empfehlenswert. Bitte bringen Sie zum Impftermin den Impfpass mit!

Die Impfempfehlungen der STIKO gegen Diphtherie können Sie dem aktuellen Impfkalender entnehmen. Er sieht die Grundimmunisierung im Alter von 2, 3, 4 Monaten und im Alter von 11 bis 14 Monaten vor. Auffrischungsimpfungen sind im Alter von 5 bis 6 Jahren, 9 bis 17 Jahren und dann im Abstand von jeweils 10 Jahren empfohlen. Über Abweichungen von diesem Schema entscheidet Ihre Ärztin oder Ihr Arzt im Einzelfall.

Alle zugelassenen Impfstoffe sind gut verträglich. Bei Fragen zu Nebenwirkungen des Impfstoffes wenden Sie sich bitte an Ihre Ärztin/Ihren Arzt oder Ihre Apothekerin/Ihren Apotheker.

Ausführliche und aktuelle Informationen zur Diphtherie finden Sie auf der Website des Robert Koch Instituts.

Hämophilus influenzae Typ B (HiB)

In Deutschland erkranken Kinder im Alter von 0 bis 4 Jahren mit einem Maximum im Alter von 10 bis 12 Monaten am häufigsten und am schwersten. Zunehmend werden auch bei Erwachsenen im Alter über 65 Jahren schwere Krankheitsverläufe beobachtet. Die Erkrankungen werden meistens durch nicht typisierbare Hämophilus influenzae (NTHi) ausgelöst.

Der auslösende Erreger, Hämophilus influenzae Typ B, ist ein stäbchenförmiges Bakterium mit Fimbrien (haarähnlichen Ausläufern). Manche Stämme dieser Bakterienart tragen eine Kapsel. Anhand bestimmter Merkmale dieser Kapsel unterscheidet man die Serotypen A bis F. Das Bakterium mit dem Serotyp B, von dem hier die Rede ist, ist der gefährlichste Krankheitserreger dieser Bakterienart. Bakterienstämme ohne Kapsel nennt man „nicht typisierbar“ oder abgekürzt NTHi-Stämme.

Die Übertragung zwischen Menschen erfolgt durch Tröpfchen- oder Kontaktinfektion. Eine Erkrankung kann sich auch entwickeln, wenn das Bakterium sich im Nasenrachenraum angesiedelt hat und dann eine Schwächung des Körpers die Abwehrkräfte vermindert.

Die Inkubationszeit, d.h. die Zeitspanne zwischen der Ansteckung und dem Auftreten erster Symptome, liegt zwischen 2 und 5 Tagen. HiB führt zu schweren eitrigen Hirnhautentzündungen mit Symptomen wie Fieber, Kopfschmerzen, Lichtscheu, Nackensteifigkeit (diese kann bei kleinen Kindern fehlen), Erbrechen und Bewusstseinseintrübung bis hin zu Krämpfen, Schock und Koma. In Industriestaaten liegt die Sterberate bei 5%, in den Entwicklungsländern bei bis zu 40% der Erkrankten. Bei 10-15% der Erkrankten resultieren bleibende Schäden wie Lähmungen, Wasserkopf, Krampfanfälle, Blindheit oder Taubheit. Weitere 15-20% erleiden dauerhaft einen teilweisen Hörverlust, Verhaltens- und Lernschwierigkeiten sowie Sprachstörungen. Zweithäufigstes Symptom ist die Sepsis (Eindringen der Bakterien in die Blutbahn, wodurch der gesamte Körper mit dem Erreger konfrontiert wird.) Auch die Epiglottitis (Entzündung des Kehldeckels) ist ein lebensbedrohliches Symptom, das durch HiB ausgelöst wird. Sie tritt besonders im Alter von 5 bis 10 Jahren auf und zeigt einen dramatischen Verlauf mit akut einsetzendem hohem Fieber, beschleunigter Atmung, inspiratorischem Stridor (typisches lautes Geräusch bei der Einatmung) und massivem Speichelfluss. Die Epiglottitis kann innerhalb von wenigen Stunden tödlich verlaufen und erfordert eine sofortige intensivmedizinische Behandlung mit Intubation oder eventuell einem Luftröhrenschnitt. Neben Mittelohrentzündung und eitriger Herzbeutelentzündung können auch weitere Organe infiziert werden.

Eine medikamentöse, antibiotische Therapie ist möglich. Es gibt jedoch bereits Bakterienstämme mit Resistenz gegen Ampicillin.

Die HiB-Infektion ist insbesondere für Säuglinge und Kleinkinder eine sehr schwerwiegende und häufig ernste bleibende Gesundheitsschäden verursachende Erkrankung. Vor Einführung der Impfung sind viele Kinder an der Erkrankung gestorben, wenn nicht rasche intensivmedizinische Hilfe möglich war. Es ist daher sehr sinnvoll und empfehlenswert durch eine frühzeitige Impfung aller Säuglinge diese Krankheit zu verhüten. Bitte bringen Sie zum Impftermin den Impfpass mit!

Die Impfempfehlungen der STIKO gegen HiB können Sie dem aktuellen Impfkalender entnehmen. Er sieht grundsätzlich die Grundimmunisierung im Alter von 2, 3, 4 Monaten und im Alter von 11 bis 14 Monaten vor. Über Abweichungen von diesem Schema entscheidet Ihre Ärztin oder Ihr Arzt im Einzelfall. Im Alter über 5 Jahren ist eine Impfung nur in speziellen Fällen empfohlen.

Alle zugelassenen Impfstoffe sind gut verträglich. Bei Fragen zu Nebenwirkungen des Impfstoffs wenden Sie sich bitte an Ihre Ärztin/Ihren Arzt oder Ihre Apothekerin/Ihren Apotheker.

Hepatitis B

Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) haben rund 2 Milliarden Menschen weltweit eine Hepatitis B-Infektion durchgemacht, davon sind bis zu 350 Millionen Menschen chronisch infiziert. Etwa 600.000 Todesfälle jährlich sind auf Spätfolgen der Infektion (Leberzirrhose, Leberzellkrebs) zurückzuführen. In Deutschland ist die Anzahl gemeldeter Hepatitis B-Fälle rückläufig, was sich durch den verbesserten Impfschutz erklärt. Die Hepatitis B ist eine hochansteckende Infektionskrankheit.

Die Hepatitis B (Leberentzündung) wird durch das von einer Hülle umschlossene Hepatitis B-Virus ausgelöst. Es werden 9 Genotypen (genetisch unterscheidbare Virustypen) unterschieden, die mit den Buchstaben A bis I bezeichnet werden. In Deutschland kommen vor allem die Genotypen A2 und D vor. Der Erreger ist gegenüber Umwelteinflüssen relativ unempfindlich und ebenso resistent gegenüber Desinfektionsmitteln.

Hepatitis B wird durch Viruspartikel in Körperflüssigkeiten wie Blut oder Geschlechtssekreten von meistens chronisch infizierten Personen übertragen. Der Geschlechtsverkehr ist dabei heute der häufigste Übertragungsweg (geschätzt 40-70% der neu infizierten Personen). Nach wie vor sind Drogenabhängige, die sich die Suchtmittel durch Injektion zuführen, besonders infektionsgefährdet. Medizinisches Personal, das mit Hepatitis B infizierten Menschen in Kontakt kommt, hat ebenfalls ein erhöhtes Ansteckungsrisiko. Auch eine Übertragung von der infizierten Schwangeren vor oder während der Geburt auf ihr Kind ist möglich. Akut erkrankte Personen können schon einige Wochen vor Auftreten der ersten eigenen Krankheitszeichen leicht andere Menschen anstecken.

Die Inkubationszeit, d.h. die Zeitspanne zwischen Ansteckung und dem Auftreten der ersten Symptome, liegt zwischen 45 und 180 Tagen. Typische Symptome sind Appetitlosigkeit, Fieber, Muskel- oder Gelenkschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Schwindel, Müdigkeit und Gelbsucht (Gelbfärbung der Haut und Schleimhäute; Dunkelverfärbung des Urins). Bei 30% der Infizierten verläuft die akute Erkrankung ohne Symptome. Bei länger andauernder Gelbsucht entwickelt sich Juckreiz. Bei chronischem Verlauf (5-10% der Infizierten im Erwachsenenalter; 90% der infizierten Kleinkinder; 30-90% der Personen mit geschwächter Immunabwehr) kann sich eine Leberzirrhose (knotiger Umbau der Leber mit letztlich oftmals lebensbedrohenden Spätfolgen) oder auch ein Leberkrebs entwickeln.

Wie bei den meisten Virusinfektionen ist auch die Hepatitis B nur bedingt ursächlich behandelbar. Die chronische Infektion wird über mehrere Monate, eventuell auch lebenslang mit Medikamenten therapiert. Um den Ausbruch der Hepatitis B beim Neugeborenen von an Hepatitis B erkrankten Müttern zu verhindern, sollte  unbedingt sofort nach der Geburt aktiv und passiv geimpft werden.

Die Hepatitis B ist also eine hochansteckende und unter Umständen schwer verlaufende Erkrankung, der durch die Schutzimpfung wirksam entgegen gewirkt werden kann. Bitte bringen Sie zum Impftermin den Impfpass mit!

Die Impfempfehlungen der STIKO gegen Hepatitis B können Sie dem aktuellen Impfkalender entnehmen. Er sieht generell die Grundimmunisierung im Alter von 2, 3, 4 Monaten und im Alter von 11 bis 14 Monaten vor. Im Alter von 15 Monaten bis 17 Jahren sollten unterbliebene Impfungen nachgeholt werden (Grundimmunisierung aller Ungeimpften bzw. Vervollständigung einer lückenhaften Impfserie). Weitere Informationen zu Indikationsimpfungen können den aktuellen Impfempfehlungen der STIKO entnommen werden. Über Abweichungen von diesem Schema entscheidet Ihre Ärztin oder Ihr Arzt im Einzelfall.

Alle zugelassenen Impfstoffe sind gut verträglich. Bei Fragen zu Nebenwirkungen des Impfstoffes wenden Sie sich bitte an Ihre Ärztin/Ihren Arzt oder Ihre Apothekerin/Ihren Apotheker.

Ausführliche und aktuelle Informationen zur Hepatitis B finden Sie auf der Webseite des Robert Koch Instituts.

Humanes Papillomavirus (HPV)

Das Virus ist weltweit verbreitet. Schätzungen zufolge haben circa 80% der sexuell aktiven Bevölkerung das Risiko, im Laufe des Lebens eine HPV-Infektion durchzumachen. Die hohe Ansteckungsfähigkeit und weite Verbreitung des Virus führen dazu, dass bereits vor dem 30. Lebensjahr 25% der Bevölkerung eine Infektion durchgemacht haben. Nur bei ca. 20-40% der Infizierten lässt sich nach über 12 Monaten nach der Infektion diese diagnostisch noch nachweisen. Ca. 10% der HPV-Infektionen verlaufen über 12-24 Monate ohne auszuheilen, also chronisch. Chronische HPV-Infektionen bedeuten ein sehr großes Risiko für die Entstehung von Vorstufen des Gebärmutterhalskrebses. Die Mehrzahl der Gebärmutterhalskrebserkrankungen (ca. 70%) wird durch die HPV-Typen 16 und 18 hervorgerufen. Insgesamt sind derzeit 15 Typen des Erregers (16, 18, 31, 33, 35, 39, 45, 51, 52, 56, 58, 59, 68, 73, 82) bekannt, die bei einer Infizierung des Menschen ein hohes Risiko für die Entwicklung eines bösartigen Tumors mit sich bringen. Dies ist der Grund dafür, dass neben der HPV-Impfung die Krebsvorsorgeuntersuchung bei Ihrer Frauenärztin oder Ihrem Frauenarzt weiterhin bedeutsam ist. Jährlich werden in Deutschland ca. 6.500 Neuerkrankungen an Gebärmutterhalskrebs diagnostiziert; ca. 1.600 Frauen sterben pro Jahr an dieser Krankheit.

Das Humane Papillomavirus (HPV) Virus ist ein DNS-Virus ohne Hülle. Es sind heute mehr als 150 Untertypen des HP-Virus bekannt, die mit Ziffern benannt werden. Sie unterscheiden sich in der Ansteckungsfähigkeit und den Krankheitsbildern, die durch sie verursacht werden.

HPV wird durch direkten Haut- oder Schleimhautkontakt, insbesondere beim Geschlechtsverkehr mit einer infizierten Person übertragen. Die Ansteckung bleibt in der Regel unbemerkt. Das Virus führt zum Befall von Haut und Schleimhäuten, die durch die Infektion ein unkontrolliertes Wachstum entwickeln können. Es können je nach Virustyp gutartige Tumore wie zum Beispiel Genitalwarzen aber auch Vorstadien bösartiger Erkrankungen entstehen. Als deren bedeutsamste ist hier die Entwicklung des Gebärmutterhalskrebses zu nennen, der meist erst viele Jahre nach der Ansteckung entsteht. Man vermutet darüber hinaus eine Beteiligung des Virus an der Entstehung von Krebserkrankungen der Scheide, des Penis, der Analregion und des Mund-Rachen-Raumes.

Die Inkubationszeit, d.h. die Zeitspanne zwischen Ansteckung und dem Auftreten der ersten Symptome liegt zwischen 3 Wochen und 8 Monaten. Oftmals bleibt die Infektion unbemerkt. Typische Symptome sind Genitalwarzen, die häufig von Juckreiz, Brennen, Kontaktblutungen und Ausfluss aus dem Genitalbereich verbunden sind. Sie zeigen verschiedene Ausprägungsformen und sind bevorzugt sowohl im Genitalbereich als auch im Bereich des Afters lokalisiert. Ihre Größe schwankt zwischen wenigen Millimetern und mehreren Zentimetern mit Ausbildung von Tumoren (Condylomata gigantea). Der Gebärmutterhalskrebs äußert sich unter anderem durch anhaltenden Ausfluss aus der Scheide, Blutungen nach den Wechseljahren oder außerhalb der Menstruation, Schmerzen im Unterbauch, beim Wasserlassen, beim Stuhlgang oder im unteren Rücken.

Die Genitalwarzen können grundsätzlich medikamentös, durch Kälteanwendung und operativ behandelt werden. Gebärmutterhalskrebs wird abhängig vom Krankheitsstadium, in dem er entdeckt wird, behandelt. Zum Einsatz kommen chirurgische Eingriffe, Strahlenbehandlung und/oder Chemotherapie. Die Behandlung in einem frühen Stadium führt mit hoher Wahrscheinlichkeit zur Heilung.

Die HPV-Impfung ist nach jetzigem Kenntnisstand eine wesentliche Errungenschaft zur Vermeidung von Gebärmutterhalskrebs und wird als erste echte Impfung gegen Krebs angesehen. Deswegen ist die Durchführung der Impfung sinnvoll und empfehlenswert. Bitte bringen Sie zum Impftermin den Impfpass mit!

Die Impfempfehlungen der STIKO gegen HPV können Sie dem aktuellen Impfkalender entnehmen. Zur Reduktion der Krankheitslast durch Gebärmutterhalskrebs ist eine generelle Impfung gegen humane Papillomviren (HPV) für alle Mädchen im Alter von 9-14 Jahren empfohlen. Spätestens bis zum vollendeten 18. Lebensjahr (d.h. bis zum Tag vor dem 18. Geburtstag) sollen versäumte Impfungen gegen HPV nachgeholt werden. Die vollständige Impfserie sollte vor dem ersten Geschlechtsverkehr abgeschlossen sein. Im Alter von 9 bis 13 (Gardasil®) bzw. 9 bis 14 Jahren (Cervarix®, Gardasil® 9) ist aktuell ein 2-Dosen-Impfschema mit einem Impfabstand von 6 Monaten zugelassen. Bei Nachholimpfungen im Alter von größer 13 Jahren bzw. größer 14 Jahren oder bei einem Impfabstand von kleiner 6 bzw. kleiner 5 Monaten zwischen der 1. und 2. Dosis ist eine 3. Impfstoffdosis erforderlich. Für die Anzahl der notwendigen Impfstoffdosen sowie den empfohlenen Impfabstand wird auf die entsprechenden Angaben in den Fachinformationen verwiesen.

Seit April 2016 ist neben den Impfstoffen Cervarix® und Gardasil® der neunvalente HPV-Impfstoff Gardasil® 9 auf dem deutschen Markt verfügbar. Alle drei Impfstoffe können verwendet werden, um das Impfziel der Reduktion von Gebärmutterhalskrebs und dessen Vorstufen zu erreichen. Eine begonnene Impfserie sollte möglichst mit dem gleichen HPV-Impfstoff vervollständigt werden. Weitere Details zur Anwendung der HPV-Impfstoffe siehe auch das Epidemiologische Bulletin 16/2016: „Mitteilung der STIKO am RKI: Anwendung des neunvalenten Impfstoffs gegen Humane Papillomviren (HPV)“.

Frauen, die älter als 17 Jahre sind und keine Impfung gegen HPV erhalten haben, können ebenfalls von einer Impfung gegen HPV profitieren. Es liegt in der Verantwortung der behandelnden Ärztin bzw. des behandelnden Arztes, nach individueller Prüfung von Nutzen und Risiko der Impfung seine Patientinnen auf Basis der Impfstoffzulassung darauf hinzuweisen.

Geimpfte Personen sind darauf hinzuweisen, dass die Impfung mit den aktuell verfügbaren Impfstoffen nicht gegen alle potenziell onkogenen HPV-Typen schützt und dass deshalb die Früherkennungsuntersuchungen zum Gebärmutterhalskrebs weiterhin in Anspruch genommen werden müssen.

Alle zugelassenen Impfstoffe sind gut verträglich. Bei Fragen zu Nebenwirkungen des Impfstoffes wenden Sie sich bitte an Ihre Ärztin/Ihren Arzt oder Ihre Apothekerin/Ihren Apotheker.

Ausführliche und aktuelle Informationen zur HPV-Impfung finden Sie auf der Webseite des Robert Koch Instituts.

Masern

Die Masern sind weltweit verbreitet. In Deutschland kommt es immer wieder zu Krankheitsausbrüchen. Die europäische Sektion der Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat sich die Ausrottung der Masern in den nächsten Jahren als Ziel gesetzt. Die Infektion kann erst dann in Deutschland ausgerottet werden, wenn die Durchimpfungsrate für beide Masernimpfungen im frühen Kindesalter über 95% und auch bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen ein ausreichender Impfschutz vorliegt. Um dieses Ziel erreichen zu können, müssen die Durchimpfungsraten insbesondere für die zweite Masernimpfung weiter gesteigert werden.

Der Masernerreger ist ein RNA-Virus, das nur Menschen infiziert. Es ist nur ein Serotyp bekannt, der durch genetische Untersuchungen in 8 Stämme unterteilt wird. Masernviren werden sehr leicht durch Tröpfchen (z.B. sprechen, husten, niesen) von Mensch zu Mensch übertragen. 95% der Ungeimpften erkranken nach dem Kontakt mit dem Erreger.

Die Inkubationszeit, d.h. die Zeitspanne zwischen Ansteckung und dem Auftreten der ersten Symptome, liegt zwischen 8 und 10 Tagen. Masern ist eine häufig schwer verlaufende Virusinfektion. Typische Symptome sind Husten, Schnupfen, gerötete Augen, Lichtscheu, hohes Fieber, Veränderungen an der Mundschleimhaut und der Haut. Der Hautausschlag beginnt typischer Weise hinter den Ohren und breitet sich von dort aus. Komplikationen sind Infektionen durch Bakterien wie Mittelohrentzündung, Bronchitis, Lungenentzündung und Durchfall. Statistisch betrachtet wird einer von 2.000 Erkrankten eine Gehirnentzündung erleiden. Bei etwa 10-20% der Betroffenen endet sie tödlich, bei etwa 20-30% bleiben Schäden am Nervensystem zurück. Sehr selten tritt nach mehreren Jahren eine degenerative Erkrankung des Gehirns (SSPE) auf, die zu schwerer Behinderung und zum Tode führt. Das höchste Risiko für solche Spätfolgen tragen Säuglinge.

Eine ursächliche Therapie ist nicht möglich, lediglich die Symptome können gelindert werden. In der akuten Krankheitsphase sollte Bettruhe eingehalten werden.

Zur Verhütung dieser ernsten Erkrankung und ihrer möglichen Komplikationen ist es sehr sinnvoll und empfehlenswert mit einer 2-maligen Impfung vorzubeugen. Die zweite Impfung wird gegeben, weil nicht alle Impflinge nach der ersten eine ausreichende Immunität (Abwehrkräfte) entwickeln. Bis zu 5% der Impflinge reagieren in der 2. Woche nach der Injektion mit mäßigem Fieber, flüchtigem Hautausschlag und Symptomen an den Atemwegen.

Die Impfempfehlungen der STIKO gegen Masern können Sie dem aktuellen Impfkalender entnehmen. Die Impfung sollte mit einem Kombinationsimpfstoff (MMR-Impfstoff) durchgeführt werden, in der Regel im Alter von 11-14 Monaten. Bis zum Ende des 2. Lebensjahres soll auch die 2. MMR-Impfung erfolgt sein. Bei älteren ungeimpften Kindern ab dem Alter von 2 Jahren kann die Impfung nachgeholt werden.

Bei einer bevorstehenden Aufnahme in eine Gemeinschaftseinrichtung sowie nach möglichem Kontakt zu Masernkranken kann die 1. MMR-Impfung unter Berücksichtigung der gegebenen epidemiologischen Situation bereits ab einem Alter von 9 Monaten erfolgen. Sofern die Erstimpfung im Alter von 9-10 Monaten erfolgte, muss die 2. MMR-Impfung bereits zu Beginn des 2. Lebensjahres gegeben werden.

Für eine MMR-Impfung von Säuglingen unter 9 Monaten fehlen umfassende Daten zur Sicherheit und Wirksamkeit, sodass solche Säuglinge in einem Ausbruchsgeschehen in erster Linie durch Impfungen der Kontaktpersonen in der Umgebung zu schützen sind. Individuelle Risiko-Nutzen-Abwägungen können eine Impfung mit 6-8 Monaten ausnahmsweise begründen. Säuglinge, die im Alter von 6-8 Monaten geimpft wurden, sollen zum Aufbau einer langfristigen Immunität 2 weitere MMR/V-Impfstoffdosen mit 11-14 und 15-23 Monaten erhalten.

Nach Kontakt zu Masernkranken kann die passive Immunisierung mit Immunglobulinen bis zu 6 Tagen nach Exposition bei kontraindizierter Impfung vor allem für ungeschützte Personen mit hohem Komplikationsrisiko, z.B. Säuglinge unter 6 Monaten, Immungeschwächte und ggf. Schwangere, erwogen werden. 6-8 Monate alte Säuglinge können nach individueller Risiko-Nutzen-Abwägung alternativ zur 1. Impfung Immunglobuline erhalten. Nach einer Immunglobulingabe ist die MMR/V-Impfung für 5-6 Monate nicht sicher wirksam. Dies sollte bei der Indikation zur Immunglobulingabe berücksichtigt werden.

Über Abweichungen von diesem Schema entscheidet Ihre Ärztin oder Ihr Arzt im Einzelfall. Bitte bringen Sie Ihren Impfpass zur Impfung mit!

Empfohlen wird die MMR-Impfung auch für alle nach 1970 geborenen Erwachsenen mit unklarem Impfstatus, ohne Impfung oder mit nur einer Impfung in der Kindheit, insbesondere wenn sie im Gesundheitsdienst, in der Betreuung von Immundefizienten bzw. -supprimierten oder in Gemeinschaftseinrichtungen arbeiten (einmalige Impfung mit einem MMR-Impfstoff).

Alle zugelassenen Impfstoffe sind gut verträglich. Bei Fragen zu Nebenwirkungen des Impfstoffes wenden Sie sich bitte an Ihre Ärztin/Ihren Arzt oder Ihre Apothekerin/Ihren Apotheker.

Ausführliche und aktuelle Informationen zu Masern finden Sie auf der Webseite des Robert Koch Instituts.

Meningokokkeninfektion

Das die Erkrankung auslösende Bakterium (Neisseria meningitidis) ist weltweit verbreitet und führt insbesondere in Afrika und Asien immer wieder zu großen Erkrankungsausbrüchen (Epidemien). Aber auch in Europa treten sich langsamer entwickelnde und kleinere Epidemien auf (Island, Norwegen, Irland, Spanien, Niederlande). In unseren Breiten häufen sich die Erkrankungen im Winter und im Frühjahr. In Deutschland werden bei Erkrankten meistens Erreger der Serogruppe B oder C nachgewiesen. Infolge der seit dem Jahr 2006 empfohlenen Schutzimpfung gegen Meningokokken der Serogruppe C haben sich die Erkrankungszahlen bei Kleinkindern zunehmend verringert.

Die Meningokokkeninfektion wird durch Neisseria meningitidis ausgelöst, das im Nasen-Rachen-Raum von etwa 10% der Bevölkerung vorkommt ohne Symptome auszulösen. Man unterscheidet 12 Untergruppen des Erregers, die mit Buchstaben oder Buchstaben-Zahlenkombinationen bezeichnet werden. Ca. 68% der Fälle in Deutschland verursacht der Meningokokkus B. Ein Impfstoff gegen Meningokokken der Serogruppe B (Bexsero®) wurde in Europa im Januar 2013 zugelassen und ist seit Dezember 2013 auch in Deutschland verfügbar. Die STIKO kommt gegenwärtig zu dem Schluss, dass die bisher vorliegenden Studienergebnisse und die daraus resultierende Evidenz für eine abschließende Entscheidung über eine generelle Impfempfehlung noch nicht ausreichen. Allerdings empfiehlt die STIKO für Personen mit spezifischen Grundkrankheiten zusätzlich zu einer Impfung gegen Meningokokken der Serogruppen A, C, W und Y auch eine Impfung gegen Meningokokken B. Details hierzu finden Sie hier.

Die STIKO empfiehlt die Impfung gegen Meningokokken der Serogruppe C mit einer Impfstoffdosis eines konjugierten Meningokokken-C-Impfstoffes für alle Kinder möglichst früh im 2. Lebensjahr.

Die Übertragung des Meningokokkenbakteriums erfolgt durch Tröpfchen oder engen direkten Kontakt mit einem Erkrankten oder einem Keimträger, der selbst gesund ist.

Die Inkubationszeit, d.h. die Zeitspanne zwischen der Ansteckung und dem Auftreten erster Symptome, liegt zwischen 2 und 10 Tagen. Die ersten Symptome sind häufig uncharakteristisch mit Beschwerden im Nasen-Rachen-Raum, akutem Kopfschmerz, Fieber, Schüttelfrost, Schwindel, Erbrechen, Nackensteifigkeit und schwerstem Krankheitsgefühl. Es können neurologische Symptome hinzukommen wie Reizbarkeit, Schläfrigkeit, Krampfanfälle, Lähmungen oder Koma. Ferner treten häufig ein Hautausschlag oder auch Hauteinblutungen stärkeren Ausmaßes auf; letztere sind dann Zeichen eines septischen Verlaufs. Typische Symptome sind eine eitrige Hirnhautentzündung (2/3 aller Fälle), eine Sepsis (Eindringen des Erregers in die Blutbahn; umgangssprachlich als Blutvergiftung bezeichnet; 1/3 aller Fälle) bis hin zum septischen Schock (davon 10-15% der Fälle), der sehr häufig mit Blutdruckabfall, massiver Gerinnungsstörung und Organversagen zum Tode führt. Seltener können auch andere Organe von der Entzündung betroffen werden. Bei Säuglingen und Kleinkindern können die Symptome weniger deutlich ausgeprägt sein, was aber nicht bedeutet, dass die Erkrankung harmloser verläuft, sondern schwerer zu diagnostizieren ist. In 10-20% der Fälle kommt es zu Komplikationen wie z.B. Entwicklungsstörungen, Hirnnervenlähmung, halbseitiger Lähmung, Krampfanfällen, Wasserkopf und Taubheit.

Eine antibiotische Therapie ist möglich, allerdings treten zunehmend unempfindlich gewordene Bakterienstämme auf. Auftretende Komplikationen werden entsprechend behandelt, oftmals ist eine intensivmedizinische Betreuung erforderlich. Es ist immer Krankenhausbehandlung notwendig.

Die Impfempfehlungen der STIKO gegen Meningokokken können Sie dem aktuellen Impfkalender entnehmen. Er sieht grundsätzlich die Schutzimpfung mit einem konjugierten Meningokokken-C-Impfstoff ab dem Alter von 12 Monaten und so früh wie möglich vor. Bis zum 18. Geburtstag sollten unterbliebene Impfungen nachgeholt werden. Weitere Informationen zu Indikationsimpfungen können den aktuellen Impfempfehlungen der STIKO entnommen werden.

Über Abweichungen von diesem Schema entscheidet Ihre Ärztin oder Ihr Arzt im Einzelfall.

Alle zugelassenen Impfstoffe sind gut verträglich. Bei Fragen zu Nebenwirkungen des Impfstoffes wenden Sie sich bitte an Ihre Ärztin/Ihren Arzt oder Ihre Apothekerin/Ihren Apotheker.

Ausführliche und aktuelle Informationen zur Meningokokkeninfektion finden Sie auf der Webseite des Robert Koch Instituts.

Mumps

Die Mumpserkrankung ist weltweit verbreitet. In Deutschland kommt es im Abstand von einigen Jahren zu Erkrankungswellen. In den letzten Jahren konnte beobachtet werden, dass immer ältere Jugendliche und junge Erwachsene erkranken und auch bereits zwei Mal geimpfte Personen.

Die Erkrankung wird durch das Mumpsvirus ausgelöst. Es ist ein RNA-Virus mit Hülle und löst eine Entzündung von Drüsen des menschlichen Körpers (z.B. Speicheldrüsen oder der Bauchspeicheldrüse) aus.

Die Übertragung erfolgt vor allem durch Tröpfchen, ist aber auch über Gegenstände möglich, die von Speichel des Erkrankten benetzt sind.

Die Inkubationszeit, d.h. die Zeitspanne zwischen Ansteckung und dem Auftreten der ersten Symptome, liegt zwischen 12 und 25 Tagen. Die höchste Ansteckungsfähigkeit besteht 1-2 Tage vor Symptombeginn und die 4 darauf folgenden Tage. 30-40% der Infektionen verlaufen ohne erkennbare Beschwerden ab. Mit zunehmendem Lebensalter der Erkrankten nehmen schwere Krankheitsverläufe zu. Typische Symptome sind Fieber und Entzündungen der Speicheldrüsen, die durch eine Schwellung im Gesichtsbereich ("Ziegenpeter") sichtbar wird. Begleitsymptome sind Schmerzen beim Kauen und Schlucken sowie Kopfschmerzen. Des Weiteren können folgende Komplikationen auftreten, die bei Männern häufiger auftreten als bei Frauen: eine Hirnentzündung (unter 1% der Mumpsfälle), eine Hirnhautentzündung (1:1.000; selten entstehen dauerhaft Schäden), bleibende einseitige Taubheit, seltener Bauchspeicheldrüsenentzündung, bei Männern meist einseitige Hodenentzündung (15-30% der Fälle; davon in 40-70% der Fälle mit anschließender verminderter Zeugungsfähigkeit) oder bei Frauen Eierstockentzündungen. Bei Erkrankungen im ersten Drittel einer Schwangerschaft kann es zum Verlust des Ungeborenen kommen.

Eine Behandlung der Symptome ist möglich, eine ursächliche Therapie nicht.

Zur Verhütung dieser ernsten Erkrankung und ihrer möglichen Komplikationen ist es sinnvoll und empfehlenswert mit einer 2-maligen Impfung vorzubeugen. Die zweite Impfung wird gegeben, weil nicht alle Impflinge nach der ersten eine ausreichende Immunität entwickeln.

Die Impfempfehlungen der STIKO gegen Mumps können Sie dem aktuellen Impfkalender entnehmen. Die Impfung sollte mit einem Kombinationsimpfstoff (MMR-Impfstoff) durchgeführt werden, in der Regel im Alter von 11-14 Monaten. Bis zum Ende des 2. Lebensjahres soll auch die 2. MMR-Impfung erfolgt sein. Bei älteren ungeimpften Kindern ab dem Alter von 2 Jahren kann die Impfung nachgeholt werden.

Bei einer bevorstehenden Aufnahme in eine Gemeinschaftseinrichtung sowie nach möglichem Kontakt zu Masernkranken kann die 1. MMR-Impfung unter Berücksichtigung der gegebenen epidemiologischen Situation bereits ab einem Alter von 9 Monaten erfolgen. Sofern die Erstimpfung im Alter von 9-10 Monaten erfolgte, muss die 2. MMR-Impfung bereits zu Beginn des 2. Lebensjahres gegeben werden.

Für eine MMR-Impfung von Säuglingen unter 9 Monaten fehlen umfassende Daten zur Sicherheit und Wirksamkeit, sodass solche Säuglinge in einem Ausbruchsgeschehen in erster Linie durch Impfungen der Kontaktpersonen in der Umgebung zu schützen sind. Individuelle Risiko-Nutzen-Abwägungen können eine Impfung mit 6-8 Monaten ausnahmsweise begründen. Säuglinge, die im Alter von 6-8 Monaten geimpft wurden, sollen zum Aufbau einer langfristigen Immunität 2 weitere MMR/V-Impfstoffdosen mit 11-14 und 15-23 Monaten erhalten.

Nach Kontakt zu Masernkranken kann die passive Immunisierung mit Immunglobulinen bis zu 6 Tagen nach Exposition bei kontraindizierter Impfung vor allem für ungeschützte Personen mit hohem Komplikationsrisiko, z.B. Säuglinge unter 6 Monaten, Immungeschwächte und ggf. Schwangere, erwogen werden. 6-8 Monate alte Säuglinge können nach individueller Risiko-Nutzen-Abwägung alternativ zur 1. Impfung Immunglobuline erhalten. Nach einer Immunglobulingabe ist die MMR/V-Impfung für 5-6 Monate nicht sicher wirksam. Dies sollte bei der Indikation zur Immunglobulingabe berücksichtigt werden.

Über Abweichungen von diesem Schema entscheidet Ihre Ärztin oder Ihr Arzt im Einzelfall. Bitte bringen Sie Ihren Impfpass zur Impfung mit!

Empfohlen wird die MMR-Impfung auch für alle nach 1970 geborenen Erwachsenen mit unklarem Impfstatus, ohne Impfung oder mit nur einer Impfung in der Kindheit, insbesondere wenn sie im Gesundheitsdienst, in der Betreuung von Immundefizienten bzw. –supprimierten oder in Gemeinschaftseinrichtungen arbeiten (einmalige Impfung mit einem MMR-Impfstoff).

Alle zugelassenen Impfstoffe sind gut verträglich. Bei Fragen zu Nebenwirkungen des Impfstoffes wenden Sie sich bitte an Ihre Ärztin/Ihren Arzt oder Ihre Apothekerin/Ihren Apotheker.

Ausführliche und aktuelle Informationen zur Mumps finden Sie auf der Webseite des Robert Koch Instituts.

Pertussis (Keuchhusten)

Der Keuchhusten ist eine entzündliche Erkrankung der Atemwege, die weltweit auftritt. In Deutschland liegt der Erkrankungsgipfel im Herbst und Winter. Durch die gute Annahme der Impfung für Säuglinge und Kleinkinder und den hohen Durchimpfungsgrad, tritt in dieser Altersgruppe der Keuchhusten nicht mehr so häufig auf. Die Erkrankung betrifft seit 1990 zunehmend Jugendliche und Erwachsene.

Die Erkrankung wird durch das Bakterium Bordetella pertussis ausgelöst, das nur beim Menschen nachgewiesen worden ist.

Die Übertragung erfolgt durch Tröpfchen bei Kontakt mit einer infektiösen Person oder einem Keimträger, wobei auch Abstände bis zu etwa 1 Meter überwunden werden. Jugendliche und Erwachsene gewinnen als Überträger der Erkrankung an Bedeutung.

Die Inkubationszeit, d.h. die Zeitspanne zwischen der Ansteckung und dem Auftreten erster Symptome, liegt zwischen 7 und 20 Tagen. Typische Symptome sind anfänglich grippeähnlich (Schnupfen, Husten, mäßiges Fieber, Schwächegefühl), gefolgt von schweren Hustenanfällen mit Herauswürgen zähen Schleims und anschließendem Erbrechen, besonders nachts. Die Erkrankung verläuft über mehrere Wochen bis Monate. Drohende Komplikationen besonders bei Erkrankungen im Kindesalter sind schwerwiegende Atemstillstände bei Säuglingen, Lungenentzündungen, Mittelohrentzündungen, selten auch Krampfanfälle oder Gehirnschäden durch Sauerstoffmangel. Die Atemstillstände sind für die schlechte Prognose der Erkrankung im Säuglingsalter verantwortlich.

Die Erkrankung ist medikamentös, insbesondere antibiotisch behandelbar. Der Krankheitsverlauf wird jedoch nur bei frühem Beginn der Behandlung positiv beeinflusst. Leider wird die Diagnose jedoch oft erst spät gestellt.

Zur Vermeidung dieser ernsten Erkrankung und deren möglichen Komplikationen ist die Impfung gemäß den öffentlichen Empfehlungen sinnvoll und empfehlenswert. Seit 2009 empfiehlt die STIKO aufgrund der Erkrankungshäufungen im Erwachsenenalter nun auch diesem Personenkreis eine einmalige Impfung, die mit der nächsten Diphtherie-Tetanus-Auffrischung erfolgen sollte, da ein Einzelimpfstoff gegen Keuchhusten nicht mehr auf dem Markt erhältlich ist.

Die Impfempfehlungen der STIKO gegen Pertussis können Sie dem aktuellen Impfkalender entnehmen. Er sieht die Grundimmunisierung im Alter von 2, 3, 4 Monaten und im Alter von 11 bis 14 Monaten und möglichst frühzeitig vor. Eventuell fehlende Impfungen sollten zeitnah nachgeholt werden. Auffrischungsimpfungen sind im Alter von 5 bis 6 Jahren und 9 bis 17 Jahren empfohlen. Alle Erwachsenen sollten bei der nächsten Auffrischungsimpfung gegen Diphtherie und Tetanus einmalig auch gegen Keuchhusten geimpft werden. Weitere Informationen zu Indikationsimpfungen können den aktuellen Impfempfehlungen der STIKO entnommen werden.

Über Abweichungen von diesem Schema entscheidet Ihre Ärztin oder Ihr Arzt im Einzelfall.

Alle zugelassenen Impfstoffe sind gut verträglich. Bei Fragen zu Nebenwirkungen des Impfstoffes wenden Sie sich bitte an Ihre Ärztin/Ihren Arzt oder Ihre Apothekerin/Ihren Apotheker.

Ausführliche und aktuelle Informationen zum Keuchhusten finden Sie auf der Webseite des Robert Koch Instituts.

Pneumokokkeninfektion

Das Bakterium Streptococcus pneumoniae ist weltweit verbreitet und konnte bei einer Untersuchung bei 60% der Vorschulkinder nachgewiesen werden, ohne dass Symptome bestanden. Das Bakterium kann aber unter bestimmten Umständen vom einfachen Besiedler zum krankmachenden Erreger werden und wird dann besonders Säuglingen, Kleinkindern, älteren Menschen und Personen mit chronischen Erkrankungen gefährlich. Jährlich sterben weltweit etwa 2 Millionen Menschen an einer durch Pneumokokken verursachten Infektion.

Das Bakterium Streptococcus pneumoniae löst die Pneumokokkeninfektion aus. Es sieht lanzettförmig aus und lagert sich paarweise aneinander, deswegen spricht man auch von Diplokokken. Die krankmachenden Stämme des Erregers sind von einer Kapsel umhüllt. Pneumokokken sind sehr empfindlich gegen Umwelteinflüsse wie Kälte, Austrocknung und Schwankungen des pH-Wertes.

Der Erreger kann durch Tröpfchen übertragen werden, was aber vermutlich sehr selten erfolgt. Meistens befindet sich der Erreger bereits auf der Schleimhaut und beginnt bei günstiger Gelegenheit von hier aus seine krankmachende Wirkung. Eine solche günstige Gelegenheit ist zum Beispiel ein Immundefekt oder eine Schleimhautschädigung durch andere Faktoren.

Die Inkubationszeit, d.h. die Zeitspanne zwischen der Ansteckung und dem Auftreten erster Symptome, liegt zwischen 1 und 3 Tagen. Typische Symptome sind eine plötzlich einsetzende Lungenentzündung sowie eine Mittelohr- und Nebenhöhlenentzündung. Bei Neugeborenen und Kleinkindern lösen die Pneumokokken auch häufig Bindehautentzündungen aus, die zu schweren Komplikationen bis hin zur Erblindung führen können. Es kann sich auch ein septischer Verlauf entwickeln, das ist ein Einbruch der Entzündung in die Blutbahn. Einige der schweren Komplikationen sind die eitrige Hirnhautentzündung und der Lungenabszess. Gelegentlich können auch die inneren Schichten von Herz (Endokarditis) und Bauchhöhle (Peritonitis) entzündlich verändert werden.

Die Lungenentzündung äußert sich durch akutes Fieber, Schüttelfrost, Husten, eitrigen Auswurf, Atemnot und schweres Krankheitsgefühl. Bei Säuglingen und Kleinkindern sind die Symptome oft weniger deutlich, was aber nicht bedeutet, dass der Krankheitsverlauf weniger schwer ist, sondern die Diagnostik ist schwieriger. Spätfolgen der Hirnhautentzündung können z.B. Hirnschäden, Ertaubung oder Sehstörungen sein.

Es ist eine Behandlung mit Antibiotika möglich. Allerdings gibt es zunehmend Erregerstämme, die gegen einzelne Antibiotika unempfindlich geworden sind.

Die Pneumokokkeninfektion ist also für Säuglinge, Kleinkinder und ältere und chronisch kranke Menschen eine gefährliche Erkrankung. Die Impfempfehlung der STIKO erfolgt in der Hoffnung, dass damit die Krankheitshäufigkeit und die aus der Krankheit resultierenden Folgen wie Behinderung und Tod reduziert werden können. In Anbetracht der Gefährlichkeit der Erkrankung sollte die Impfung möglichst allen Personen verabreicht werden, für die die Impfung öffentlich empfohlen ist. Bitte bringen Sie Ihren Impfpass zur Impfung mit!

Die Impfempfehlungen der STIKO gegen Pneumokokken können Sie dem aktuellen Impfkalender entnehmen. Reifgeborene Säuglinge erhalten insgesamt 3 Impfstoffdosen im Alter von 2, 4 und 11-14 Monaten (sogenanntes 2+1-Impfschema). Zwischen der 1. und 2. Dosis soll ein Abstand von 2 Monaten und zwischen der 2. und 3. Dosis ein Mindestabstand von 6 Monaten eingehalten werden. Frühgeborene (Geburt vor der vollendeten 37. Schwangerschaftswoche) sollen mit insgesamt 4 Impfstoffdosen im Alter von 2,3,4 und 11-14 Monaten (3+1-Impfschema) geimpft werden. Die abweichende Empfehlung für Frühgeborene ist dadurch begründet, dass in der Zulassung der Pneumokokken-Konjugatimpfstoffe die Anwendung des 2+1-Impfschemas bisher (Stand Juli 2016) auf Reifgeborene beschränkt ist. Nachholimpfungen sollten bis zum Alter von 23 Monaten erfolgt sein. Erwachsenen ab 60 Jahren wird generell eine einmalige Impfung mit Polysaccharid-Impfstoff empfohlen. Weitere Indikationen der Pneumokokken-Impfung bei Personen mit bestimmten Risikofaktoren einschließlich Empfehlungen zu Wiederholungsimpfungen bei bestimmten Indikationen können den aktuellen Impfempfehlungen der STIKO entnommen werden.

Über Abweichungen von diesem Schema, auch einer eventuellen Auffrischungsimpfung bei Erwachsenen entscheidet Ihre Ärztin oder Ihr Arzt im Einzelfall.

Alle zugelassenen Impfstoffe sind gut verträglich. Bei Fragen zu Nebenwirkungen des Impfstoffes wenden Sie sich bitte an Ihre Ärztin/Ihren Arzt oder Ihre Apothekerin/Ihren Apotheker.

Nähere Informationen zur Pneumokokkeninfektion und deren Behandlung erhalten Sie bei Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.

Poliomyelitis (Kinderlähmung)

Die Poliomyelitis ist eine Erkrankung, die heute insbesondere noch in Pakistan und Afghanistan vorkommt. Durch die weltweite Impfaktivität sind vier von sechs Regionen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) bereits poliofrei zertifiziert. Die Infektion zeigt eine jahreszeitliche Häufung im Sommer und Frühherbst.

Die Poliomyelitis ist eine Infektionskrankheit, die durch Polioviren ausgelöst wird. Es werden drei Erregertypen (Typ 1, 2 und 3) unterschieden. Der Erreger ist gegen Umwelteinflüsse sehr stabil.

Die Kinderlähmung wird durch Schmierinfektion übertragen. Erkrankte scheiden das Virus in infektiologisch bedeutsamen Mengen aus dem Darm aus. Da sich das Virus in der Rachenschleimhaut vermehrt, kann kurz nach der Ansteckung auch eine Tröpfcheninfektion erfolgen. Das Poliovirus konnte auch in Abwässern und Badegewässern nachgewiesen werden.

Die Inkubationszeit, d.h. die Zeitspanne zwischen der Ansteckung und dem Auftreten erster Symptome, liegt zwischen 3 und 35 Tagen. Die Mehrzahl der Infektionen (> 95%) verläuft ohne Symptome. Wenn Symptome auftreten, können diese unterschiedliche Schweregrade aufweisen: von kurzzeitigen Phasen von Übelkeit, Hals-, Kopf- und Muskelschmerzen über Nackensteifigkeit (durch Hirnhautentzündung), Rückenschmerzen und Muskelkrämpfe bis hin zu Muskellähmungen ist jeder Verlauf möglich. Von besonderer Bedeutung ist auch das sogenannte Postpolio-Syndrom, das Jahre oder Jahrzehnte nach der Erkrankung auftreten kann. Es ist durch Zunahme der Lähmungserscheinungen und Muskelschwund charakterisiert.

Eine spezifische Behandlung der Erkrankung ist nicht möglich.

Durch weltweit konsequente Impfungen konnte die Erkrankung sehr weit zurück gedrängt werden. Im Juni 2002 wurde Europa von der WHO als poliofrei zertifiziert. Die Erfahrungen der letzten Jahre haben jedoch gezeigt, dass es in Staaten mit geringer Durchimpfungsrate immer wieder zum Aufflackern der Krankheit auch im Sinne einer Epidemie kommen kann. Von diesen Quellen ausgehend könnte sich das Virus daher über Fernreisende auch wieder nach Deutschland ausbreiten. Träfe das Virus auf Menschen ohne Impfschutz, würde auch bei uns eine Epidemie entstehen können. Deswegen müssen weiterhin hohe Durchimpfungsraten in der Bevölkerung erreicht werden. Um das Wiederauftreten des Virus in Europa zu verhindern, ist die Aufrechterhaltung einer guten Durchimpfungsrate (>95% der Bevölkerung) notwendig. Der früher verwendete Schluckimpfstoff, der selbst gelegentlich eine Erkrankung auslösen konnte, ist heute durch einen anderen, inaktivierten  Impfstoff abgelöst worden, der gespritzt werden muss. Die Medikamentensicherheit konnte so deutlich verbessert werden. Zum Schutz vor einem neuerlichen Aufflammen der Kinderlähmung in Deutschland ist die Durchführung der Schutzimpfung sinnvoll und empfehlenswert.

Die Impfempfehlungen der STIKO gegen Poliomyelitis können Sie dem aktuellen Impfkalender entnehmen. Er sieht grundsätzlich die Grundimmunisierung im Alter von 2, 3, 4 Monaten und im Alter von 11 bis 14 Monaten vor. Nachholimpfungen sollten bis spätestens zum Alter von 6 Jahren durchgeführt werden. Jugendliche zwischen 9 und 17 Jahren sollten eine Auffrischungsimpfung erhalten. Weitere Informationen zu Indikationsimpfungen können den aktuellen Impfempfehlungen der STIKO entnommen werden.

Über Abweichungen von diesem Schema entscheidet Ihre Ärztin oder Ihr Arzt im Einzelfall. Bitte bringen Sie Ihren Impfpass zur Impfung mit!

Alle zugelassenen Impfstoffe sind gut verträglich. Bei Fragen zu Nebenwirkungen des Impfstoffes wenden Sie sich bitte an Ihre Ärztin/Ihren Arzt oder Ihre Apothekerin/Ihren Apotheker.

Ausführliche und aktuelle Informationen zur Poliomyelitis finden Sie auf der Webseite des Robert Koch Instituts.

Rotaviren

Die Impfempfehlungen der STIKO gegen Rotaviren können Sie dem aktuellen Impfkalender entnehmen.

Ausführliche und aktuelle Informationen zu Rotaviren-Erkrankungen finden Sie auf der Webseite des Robert Koch Instituts.

Röteln

Die Röteln sind weltweit weit verbreitet. Das Virus kommt nur beim Menschen vor. Es wird in Europa eine jahreszeitliche Häufung im Frühjahr beobachtet. Kleinere Krankheitsausbrüche treten etwa alle 3-5 Jahre auf.

Das Rötelnvirus ist ein rundes Virus mit zwei Hüllen. Es gibt nur einen Serotyp. Das Virus ist gegen Umwelteinflüsse empfindlich.

Röteln werden über Tröpfchen oder durch Schmierinfektion übertragen. Erkrankte können bereits 7 Tage vor Auftreten des Hautausschlags und die folgenden 14 Tage andere Personen anstecken. Die Übertragung des Virus von der Schwangeren auf ihr Ungeborenes ist möglich. Sie kann zum Rötelnsyndrom führen, dessen Symptome bei einer Infektion während der Frühschwangerschaft meistens besonders schwer sind. Es kann dann auch zu einer Tot- oder Frühgeburt kommen.

Die Inkubationszeit, d.h. die Zeitspanne zwischen Ansteckung und dem Auftreten der ersten Symptome, liegt zwischen 14 und 21 Tagen. Röteln ist eine im Allgemeinen mild verlaufende Virusinfektion, deren Symptome sich an der Haut und den oberen Atemwegen zeigen. Typische Symptome sind ein im Gesicht beginnender, oft blasser Hautausschlag, der nach 1-3 Tagen spontan verschwindet, Kopfschmerzen, leichte Temperaturerhöhung und leichte Erkältungsanzeichen der oberen Luftwege und eine Entzündung der Bindehaut des Auges. Komplikationen können als Entzündungen an Gelenken, Mittelohr, Gehirn und am Herzen sowie Hauteinblutungen auftreten.

Rötelnsyndrom bedeutet Schäden am Herzen (Fehlbildung), den Augen (grauer Star) und den Ohren (Taubheit). Weitere Symptome wie geringes Geburtsgewicht, Blutungsneigung in die Haut, Vergrößerung von Leber und Milz, Gehirnentzündung, Herzmuskelentzündung und auffällig kleiner Kopf sind möglich.

Die Behandlung kann lediglich die Symptome lindern. Eine ursächliche Therapie ist nicht möglich.

Die Erreichung einer guten Durchimpfungsquote hilft die Ansteckung Schwangerer zu vermeiden und damit, dass deren Ungeborene gesund zur Welt kommen können. Um dieses Ziel erreichen zu können, ist eine hohe Durchimpfungsquote in der gesamten Bevölkerung erforderlich. Daher ist es sinnvoll und empfehlenswert sich gegen Röteln impfen zu lassen. Bitte bringen Sie zum Impftermin Ihren Impfpass mit!

Die Impfempfehlungen der STIKO gegen Röteln können Sie dem aktuellen Impfkalender entnehmen. Die Impfung sollte mit einem Kombinationsimpfstoff (MMR-Impfstoff) durchgeführt werden, in der Regel im Alter von 11-14 Monaten. Bis zum Ende des 2. Lebensjahres soll auch die 2. MMR-Impfung erfolgt sein. Bei älteren ungeimpften Kindern ab dem Alter von 2 Jahren kann die Impfung nachgeholt werden.

Bei einer bevorstehenden Aufnahme in eine Gemeinschaftseinrichtung sowie nach möglichem Kontakt zu Masernkranken kann die 1. MMR-Impfung unter Berücksichtigung der gegebenen epidemiologischen Situation bereits ab einem Alter von 9 Monaten erfolgen. Sofern die Erstimpfung im Alter von 9-10 Monaten erfolgte, muss die 2. MMR-Impfung bereits zu Beginn des 2. Lebensjahres gegeben werden.

Für eine MMR-Impfung von Säuglingen unter 9 Monaten fehlen umfassende Daten zur Sicherheit und Wirksamkeit, sodass solche Säuglinge in einem Ausbruchsgeschehen in erster Linie durch Impfungen der Kontaktpersonen in der Umgebung zu schützen sind. Individuelle Risiko-Nutzen-Abwägungen können eine Impfung mit 6-8 Monaten ausnahmsweise begründen. Säuglinge, die im Alter von 6-8 Monaten geimpft wurden, sollen zum Aufbau einer langfristigen Immunität 2 weitere MMR/V-Impfstoffdosen mit 11-14 und 15-23 Monaten erhalten.

Nach Kontakt zu Masernkranken kann die passive Immunisierung mit Immunglobulinen bis zu 6 Tagen nach Exposition bei kontraindizierter Impfung vor allem für ungeschützte Personen mit hohem Komplikationsrisiko, z.B. Säuglinge unter 6 Monaten, Immungeschwächte und ggf. Schwangere, erwogen werden. 6-8 Monate alte Säuglinge können nach individueller Risiko-Nutzen-Abwägung alternativ zur 1. Impfung Immunglobuline erhalten. Nach einer Immunglobulingabe ist die MMR/V-Impfung für 5-6 Monate nicht sicher wirksam. Dies sollte bei der Indikation zur Immunglobulingabe berücksichtigt werden.

Über Abweichungen von diesem Schema entscheidet Ihre Ärztin oder Ihr Arzt im Einzelfall. Bitte bringen Sie Ihren Impfpass zur Impfung mit!

Empfohlen wird die MMR-Impfung auch für alle nach 1970 geborenen Erwachsenen mit unklarem Impfstatus, ohne Impfung oder mit nur einer Impfung in der Kindheit, insbesondere wenn sie im Gesundheitsdienst, in der Betreuung von Immundefizienten bzw. –supprimierten oder in Gemeinschaftseinrichtungen arbeiten (einmalige Impfung mit einem MMR-Impfstoff). Weitere Informationen zu Indikationsimpfungen können den aktuellen Impfempfehlungen der STIKO entnommen werden.

Alle zugelassenen Impfstoffe sind gut verträglich. Bei Fragen zu Nebenwirkungen des Impfstoffes wenden Sie sich bitte an Ihre Ärztin/Ihren Arzt oder Ihre Apothekerin/Ihren Apotheker.

Ausführliche und aktuelle Informationen zu Röteln finden Sie auf der Webseite des Robert Koch Instituts.

Tetanus (Wundstarrkrampf)

Das die Erkrankung auslösende Bakterium Clostridium tetani kommt weltweit vor und befindet sich im Erdreich. Nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sterben jährlich weltweit mehr als eine Million Menschen an Tetanus. Dies ist Folge der mangelnden Durchimpfung der Bevölkerung z.B. in Afrika und Asien. Da die Durchimpfungsrate in Deutschland gut ist, sind Neuerkrankungen selten. Dies könnte sich aber rasch wieder ändern, wenn die Durchimpfungsrate schlechter würde.

Die Übertragung des Tetanuserregers erfolgt über eine Hautverletzung, z.B. durch Holzsplitter, Nägel oder Dornen an denen der Erreger haftet. Dabei kann es sich auch um eine geringe Hautverletzung handeln; eine offene Wunde ist nicht erforderlich. Unter geeigneten Bedingungen produziert er Toxine, deren Verbreitung innerhalb des Körpers entlang der Nervenbahnen in Richtung hin zum Gehirn erfolgt.

Die Inkubationszeit, d.h. die Zeitspanne zwischen Ansteckung und dem Auftreten der ersten Symptome, liegt meistens zwischen 3 Tagen und 3 Wochen, kann aber auch wesentlich kürzer oder wesentlich länger sein. Der Wundstarrkrampf ist eine Infektionskrankheit, deren Krankheitssymptome durch ein Toxin (Giftstoff) des Tetanuserregers, Clostridium tetani, ausgelöst wird. Typische Symptome sind ein erhöhter Muskeltonus (Anspannungszustand) und Muskelkrämpfe. Die Krämpfe können so stark sein, dass es zu Knochenbrüchen an der Wirbelsäule kommt. Dabei ist das Bewusstsein erhalten. Der Körper befindet sich in einer überstreckten Haltung. Charakteristisch ist ein eigenartiger Gesichtsausdruck, der wie ein verzerrtes Lächeln aussieht. Häufig ist auch eine Kieferklemme vorhanden, eventuell zusätzlich Schluckstörungen. Komplikationen an den Atemwegen und am Kreislaufsystem sind zu erwarten. Die Sterberate liegt bei 10-20% trotz moderner Intensivtherapie.

Es gibt auch eine schwächer ausgeprägte Verlaufsform sowie Erkrankungen des Neugeborenen, die auftreten können, wenn keine mütterlichen Abwehrstoffe als sogenannter Nestschutz mitgegeben wurden.

Die Behandlung muss schnellstmöglich erfolgen und umfasst zum einen eine gründliche chirurgische Wundbehandlung sowie eine medikamentöse Behandlung. Meistens ist eine intensivmedizinische Betreuung (Beatmung, Mitbehandlung des Herzens) erforderlich.

Der Tetanus ist also eine gefährliche Erkrankung, die schon durch geringe Verletzungen erworben werden kann. Das Auftreten dieser Erkrankung in Deutschland kann verhindert werden, wenn die Durchimpfungsrate in der Bevölkerung hoch ist. In Anbetracht der Gefährlichkeit der Krankheit und der guten Verträglichkeit des Impfstoffes sollte die Impfung möglichst allen Personen verabreicht werden, für die die Impfung öffentlich empfohlen ist. Bitte bringen Sie zum Impftermin Ihren Impfpass mit!

Die Impfempfehlungen der STIKO gegen Tetanus können Sie dem aktuellen Impfkalender entnehmen. Er sieht die Grundimmunisierung im Alter von 2, 3, 4 Monaten und im Alter von 11 bis 14 Monaten vor. Auffrischungsimpfungen sind im Alter von 5 bis 6 Jahren, 9 bis 17 Jahren und dann im Abstand von jeweils 10 Jahren empfohlen. Über Abweichungen von diesem Schema entscheidet Ihre Ärztin oder Ihr Arzt im Einzelfall.

Alle zugelassenen Impfstoffe sind gut verträglich. Bei Fragen zu Nebenwirkungen des Impfstoffes wenden Sie sich bitte an Ihre Ärztin/Ihren Arzt oder Ihre Apothekerin/Ihren Apotheker.

Nähere Informationen erhalten Sie auf der Webseite des Robert Koch Instituts.

Varizellen (Windpocken)

Die Varizellen sind weltweit verbreitet und kommen nur beim Menschen vor. Ein hoher Anteil der deutschen Bevölkerung trägt den Keim nach der Erkrankung in sich (Endemie). Zum Ausbruch einer Zweiterkrankung (Gürtelrose/Herpes zoster) kann es lebenslang kommen, häufig im Alter, wenn der Körper allgemein geschwächt ist.

Auslösender Erreger ist das Varicella-Zoster-Virus. Es ist ein DNA-haltiges Virus, das mit dem Herpes-simplex-Virus verwandt ist. Gelangt es in die Umwelt, kann es einige Tage überleben.

Der Krankheitserreger ist höchst ansteckend. Das Virus wird durch Tröpfchen, durch Schmierinfektion (über den Inhalt der Hautbläschen oder Kontakt mit den Krusten) oder in seltenen Fällen von der Schwangeren auf ihr ungeborenes Kind übertragen.

Die Inkubationszeit, d.h. die Zeitspanne zwischen Ansteckung und dem Auftreten der ersten Symptome, liegt zwischen 8 und 28 Tagen. Typisches Symptom ist zu Beginn ein juckender Hautausschlag mit Fieber (meistens unter 39°C). Der Hautausschlag besteht zunächst aus kleinen Knötchen, die sich dann zu Bläschen umwandeln und dann verschorfen. Er beginnt meistens am Körperstamm oder im Gesicht und breitet sich dann über den Körper aus. Typischer Weise sind auch der behaarte Kopf und die Schleimhäute mitbetroffen. Bei Neugeborenen und Personen mit geschwächtem Immunsystem oder Neurodermitis können schwere Verlaufsformen vorkommen. Todesfälle infolge Windpocken sind beschrieben.

Komplikationen sind bakterielle Entzündungen der Hautläsionen, eine schwere Lungenentzündung, Beeinträchtigungen der Gehirnfunktion bis hin zu Entzündungen von Hirnhaut und Gehirn. Aber auch Herz, Nieren, Leber, Gelenke und Augen können von dem Virus befallen werden. Bei Kindern, die sich während der frühen Schwangerschaft infiziert haben, können Veränderungen der Haut, des Skeletts und der Augen sowie Hirnschäden, Lähmungen oder ein Krampfleiden entstehen. Bei Neugeborenen können die Windpocken besonders schwer verlaufen (Sterberate 30%). Bei Erwachsenen sind Komplikationen häufiger zu erwarten als bei Kindern.

Die Therapie orientiert sich an den Symptomen (sorgfältige Hautpflege, Juckreiz stillende Lotion).

Die Windpocken sind eine für Neugeborene und Schwangere sehr ernste Erkrankung, der durch eine Schutzimpfung entgegen gewirkt werden kann. Deshalb sind die Impfungen gegen Windpocken sinnvoll und empfehlenswert. Bitte bringen Sie Ihren Impfpass zur Impfung mit!

Die Impfempfehlungen der STIKO gegen Windpocken können Sie dem aktuellen Impfkalender entnehmen. Die 1. Dosis der Impfung gegen Varizellen (V) wird in der Regel im Alter von 11-14 Monaten verabreicht, und zwar entweder simultan mit der 1. MMR-Impfung oder frühestens 4 Wochen nach dieser. Für die 1. Impfung gegen Varizellen und Masern, Mumps, Röteln sollte die simultane Gabe von Varizellen-Impfstoff und MMR-Impfstoff an verschiedenen Körperstellen bevorzugt werden. Grund für diese Empfehlung ist das leicht erhöhte Risiko von Fieberkrämpfen 5-12 Tage nach der Gabe des kombinierten MMRV-Impfstoffs im Vergleich zur simultanen Impfung mit Varizellen- und MMR-Impfstoff. Dies wurde nur bei der Erstimpfung beobachtet. Die 2. Impfung gegen Varizellen sollte im Alter von 15-23 Monaten verabreicht werden und kann mit einem MMRV-Kombinationsimpfstoff erfolgen (siehe auch Mitteilung der STIKO zur „Kombinationsimpfung gegen Masern, Mumps, Röteln und Varizellen (MMRV) im Epidemiologischen Bulletin 38/2011).

Bei allen ungeimpften Kindern und Jugendlichen ohne Varizellen-Anamnese sollte die Varizellen-Impfung mit 2 Impfstoffdosen nachgeholt werden. Der Mindestabstand zwischen 2 Dosen Varizellen- bzw. MMRV-Impfstoff beträgt 4-6 Wochen (je nach Hersteller, Fachinformation beachten). Kinder und Jugendliche, die bisher nur eine Varizellen-Impfung erhalten haben, sollen eine 2. Impfung bekommen.

Weitere Informationen zu Indikationsimpfungen können den aktuellen Impfempfehlungen der STIKO entnommen werden.

Über Abweichungen von diesem Schema entscheidet Ihre Ärztin oder Ihr Arzt im Einzelfall. Bitte bringen Sie Ihren Impfpass zur Impfung mit!

Alle zugelassenen Impfstoffe sind gut verträglich. Bei Fragen zu Nebenwirkungen des Impfstoffes wenden Sie sich bitte an Ihre Ärztin/Ihren Arzt oder Ihre Apothekerin/Ihren Apotheker.

Weitere ausführliche und aktuelle Informationen zu den Windpocken finden Sie auf der Webseite des Robert Koch Instituts.

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