„In einer Zeit, in der viele Unternehmen Schwierigkeiten haben, qualifizierte Arbeitskräfte zu finden, bietet die Beschäftigung von Menschen mit Behinderungen eine wertvolle Ressource. Die Unternehmen bekommen dringend gebrauchte Fachkräfte. Inklusion bereichert das Arbeitsumfeld durch unterschiedliche Perspektiven, stärkt die Innovationskraft und Kreativität der Belegschaft und damit auch die Wettbewerbsfähigkeit“, betonte Sozialministerin Dörte Schall. Sie würdigte die ausgezeichneten Unternehmen als „leuchtende Beispiele dafür, dass sich soziales Engagement und Wirtschaftlichkeit vereinbaren lassen. Die Preisträgerinnen und Preisträger haben sich bereits auf den inklusiven Weg gemacht. Sie öffnen ihre Türen für Menschen mit Behinderungen und schaffen Arbeitsplätze, die inklusiv und zugänglich sind.“
„Unternehmen können dem Fachkräftemangel entgegenwirken, indem sie das Potenzial von Menschen mit Behinderungen erkennen und sie in ihren Betrieben einsetzen. Die Preisträgerinnen und Preisträger des Landespreises zeigen in beispielhafter Weise, dass die Beschäftigung von Menschen mit Behinderungen erfolgreich möglich ist und dass es letztendlich keine Rolle spielt, ob eine Mitarbeiterin oder ein Mitarbeiter eine Behinderung hat oder nicht, wenn der Arbeitsplatz entsprechend angepasst wird“, sagte Heike Gorißen-Syrbe, Präsidentin des Landesamtes für Soziales, Jugend und Versorgung (LSJV). „Der Landespreis Inklusion.Plus unterstreicht den Gewinn einer diversen Unternehmenskultur für die Arbeitswelt. Ziel der Auszeichnung ist es, Sichtbarkeit für Inklusion am Arbeitsplatz zu schaffen und weiteren Unternehmen Anregungen und Inspiration zu bieten“, so die Präsidentin.
Der Landespreis Inklusion.Plus wird in diesem Jahr in vier Kategorien vergeben: nichtbeschäftigungspflichtige Betriebe, Betriebe bis 100 Beschäftigte, Betriebe ab 100 Beschäftigte und Öffentlicher Dienst. Die Entscheidung über die Preisträgerinnen und Preisträger der jeweiligen Kategorie erfolgte durch den Beratenden Ausschuss für behinderte Menschen beim Integrationsamt im LSJV. Dieses Gremium setzt sich aus Vertreterinnen und Vertretern von Arbeitgebenden, Gewerkschaft, Bundesagentur für Arbeit und Verbänden behinderter Menschen zusammen.
Die Auszeichnung für die Erstplatzierten ist mit einer Prämie von jeweils 3.000 Euro verbunden. Folgende Unternehmen belegten den ersten Platz:
JuRec-IT Social & Green Remarketing GmbH (in der Kategorie nicht-beschäftigungspflichtige Betriebe)
Das junge Unternehmen aus Landau ist spezialisiert auf zertifizierte Akten- und Datenvernichtung sowie professionelle IT-Wiederverwendung mit dem Ziel der Nachhaltigkeit. Es ist sozial und ökologisch orientiert und unterstützt viele Projekte und Spendenaktionen in diesen Bereichen.
Mit insgesamt 10 Mitarbeitenden ist das Unternehmen nicht verpflichtet, Menschen mit Behinderung zu beschäftigen, dennoch sind 5 schwerbehinderte Menschen eingestellt. Vier von ihnen kamen aus einer Werkstatt für schwerbehinderte Menschen (WfbM) und haben nun auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt ihren Platz gefunden. Der Inhaber und Geschäftsführer Matthias Juchum hat Arbeitsplätze für schwerbehinderte Menschen in den Bereichen Vertrieb, IT, Lagerlogistik und Transport geschaffen. Zudem besteht eine enge Kooperation mit Werkstätten aus der Region. So können auch immer schwerbehinderte Praktikantinnen und Praktikanten in dem Betrieb in die vielfältigen Tätigkeitsfelder hineinschnuppern.
Ferner bietet das Unternehmen Unterstützung und Beratung für WfbM und Unternehmen bei der Schaffung neuer Arbeitsplätze an und hilft so mit, neue Arbeitsplätze zu erschließen. Zudem strebt es eine Förderung als Inklusionsbetrieb an.
Getränke Michel GmbH (in der Kategorie Betriebe bis 100 Beschäftigte)
Die Getränke Michel GmbH ist als Familienbetrieb in der dritten Generation im Bereich Getränke- und Veranstaltungsservice tätig. Unter den 25 Beschäftigten haben neun Mitarbeitende eine anerkannte Schwerbehinderung. Zudem sind drei Auszubildende mit einer Schwerbehinderung im Betrieb angestellt.
Das Unternehmen aus Bad Neuenahr-Ahrweiler pflegt ein enges Netzwerk mit WfbM und Sozialdiensten. Mehrere Beschäftigte aus WfbM aber auch andere Menschen mit einer Schwerbehinderung wurden eingestellt oder machen dort eine Ausbildung. So konnte zum Beispiel ein ehemaliger WfbM-Beschäftigter nach mehreren Schulungen eine Ausbildung zum Fachlageristen absolvieren.
Das Unternehmen strebt eine Förderung als Inklusionsbetrieb an.
Continental Automotive Technologies GmbH – Werk Rheinböllen (in der Kategorie Betriebe ab 100 Beschäftigte)
Unter den 459 Beschäftigten am Werksstandort Rheinböllen der Continental Automotive Technologies GmbH haben 43 Mitarbeitende eine Schwerbehinderung. Das Unternehmen hält Arbeitsplätze ohne taktgebundene Produktion insbesondere für leistungsgeminderte Menschen bereit. Zudem überzeugte es die Jury mit seinem Gesundheitsmanagement.
Der Standort Rheinböllen durchlebt aktuell einen gewaltigen Transformationsprozess. Neben der Produktion für elektrische Parkbremsen ist eine herausfordernde Aufgabe der Aufbau eines Kompetenz- und Produktionszentrums für autonom fahrende Transportroboter. Hierfür sind viele Qualifizierungsmaßnahmen notwendig, die von dem Unternehmen vorbildlich durch maßgeschneiderte Qualifizierungen im unternehmenseigenen Weiterbildungsinstitut umgesetzt werden.
Studierendenwerk Trier (in der Kategorie Öffentlicher Dienst)
In der Kategorie Öffentlicher Dienst gibt es in diesem Jahr zwei Erstplatzierungen. Dazu gehört das Studierendenwerk Trier. Unter den 103 Beschäftigten des Studierendenwerks haben 9 Mitarbeitende eine Schwerbehinderung. Diese sind hauptsächlich im Bereich Service, Gastronomie, Gartenbau und Hauswartung tätig.
Besonders zeichnet sich das Engagement des Studierendenwerks durch die Schaffung von sogenannten Nischenarbeitsplätzen aus. So konnten zwei schwerbehinderte Mitarbeitende über das Budget für Arbeit eingestellt werden. Sie sind in der Hauswartung tätig. Nischenarbeitsplätze sind meist neue, zusätzlich eingerichtete Arbeitsplätze, die speziell an die Bedürfnisse und Fähigkeiten des Menschen mit Behinderung angepasst werden.
Es besteht eine enge Kooperation mit WfbM, so wurden zusätzliche Außenarbeits-plätze integriert. Zudem bietet das Studierendenwerk Trier die Möglichkeit der Fachpraktikerausbildung an. Regelmäßig wird schwerbehinderten Praktikantinnen und Praktikanten die Chance gegeben, verschiedene Tätigkeitsfelder auszuprobieren. Auch berufsqualifizierende Lehrgänge werden angeboten.
Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Mosel-Saar-Lahn (in der Kategorie Öffentlicher Dienst)
Das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Mosel-Saar-Lahn (WSA MSL) ist eine technische Verwaltung, verteilt auf drei Standorte und elf Außenbezirke. Mit Werkstätten, Wasserbau, eigenen Wasserfahrzeugen sowie mit einer Neubauabteilung für Schleusen, Wehre und Flussvertiefungen, der Abteilung für ökologische Wasserwirtschaft und dem Wehrbetriebsdienst, der rund um die Uhr besetzt ist, bietet der Arbeitgeber viele Arbeitsbereiche.
Unter den 704 Beschäftigten des WSA MSL haben 70 Mitarbeitende eine Schwerbehinderung. Die Vielfältigkeit der Tätigkeitsfelder ermöglicht es dem Amt, in allen Arbeitsbereichen Stellen für Menschen mit Behinderungen anzubieten, so auch für Menschen mit einer Sinnesbehinderung. Das Spektrum von möglichen Qualifizierungen ist sehr breit gefächert. So können und konnten auch im Rahmen des Beruflichen Eingliederungsmanagements (BEM) betroffene Mitarbeitende entsprechend flexibel um- bzw. eingesetzt werden.
Als Zweitplatzierte wurden mit einer Urkunde ausgezeichnet:
- Koblenz Hybrider e. K. (nicht-beschäftigungspflichtige Betriebe)
- Landesverband der Gehörlosen RLP e. V. – Fachdienste für Hörgeschädigte (Betriebe bis 100 Beschäftigte)
- Schäfer Shop Group GmbH (Betriebe ab 100 Beschäftigte)
- Polizeipräsidium Rheinpfalz (Öffentlicher Dienst)
Die Urkunde für den dritten Preis erhielten:
- Reitschule Gerhardshof (nicht-beschäftigungspflichtige Betriebe)
- Heinrich Pesch Haus Bildungszentrum Ludwigshafen e. V. (Betriebe bis 100 Beschäftigte)
- BBS Barmherzige Brüder Saffig gGmbH (Betriebe ab 100 Beschäftigte)
Weitere Informationen zum Landespreis Inklusion.Plus finden Sie unter www.inklusion.plus.